© Rolf Oeser, FR
Der Bahnhof von Friedrichsdorf ist in die Jahre gekommen.
Friedrichsdorf
Rhein-Main

Aufzüge für den Bahnhof

Von Torsten Weigelt
09:01

Herzlich Willkommen“, begrüßt ein grünes Graffito die Fahrgäste in der Unterführung des Friedrichsdorfer Bahnhofs. Viel mehr Einladendes hat die Station, die pro Tag von 7000 Passagieren genutzt wird, aber leider nicht zu bieten: Wer mit Fahrrad oder Kinderwagen unterwegs ist, muss damit steile Schieberinnen überwinden, Rollstuhlfahrer haben gar keine Chance. Bei Regen findet man auf den Bahnsteigen kaum Schutz. Und auch die Optik des in die Jahre gekommenen Bahnhofs lässt zu wünschen übrig.

Gustav Thiemann will die Situation auch gar nicht beschönigen. Von einem „desolaten Zustand“ spricht er, zudem sei der Friedrichsdorfer Bahnhof „an keiner Stelle barrierefrei“. Doch das soll sich ändern. Thiemann ist der Projektleiter für den Umbau der Station, an der die S-Bahn-Linie 5 und die Taunusbahn sich treffen.

ZeitplanBauarbeiten

Wenn alles glattgeht, könnten die Arbeiten am Bahnhof in Friedrichsdorf im zweiten Halbjahr 2020 beginnen. Ein Jahr später soll bereits alles fertig sein. Der Zugverkehr soll während der Bauarbeiten weitergehen. 

ZeitplanFeststellung

Nötig ist allerdings ein Planfeststellungsverfahren. Die Verantwortlichen der Deutschen Bahn wollen die Unterlagen in drei bis vier Wochen beim Eisenbahnbundesamt einreichen. Das gibt die Akten an das Regierungspräsidium weiter, das für das eigentliche Verfahren zuständig ist. twe

Bis zum Jahr 2021 soll der Bahnhof nicht nur schöner aussehen, sondern auch komplett barrierefrei sein. Deshalb sollen zwei Aufzüge eingebaut werden, die beide Bahnsteige mit der Unterführung verbinden. Für den Ausgang auf der Ostseite ist kein Aufzug vorgesehen, dort soll aber zusätzlich zu der bestehenden Treppe eine Rampe entstehen.

Er hätte sich auch weitere Rampen vorstellen können, sagt Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Allerdings sei das nicht praktikabel. Um das Gefälle nicht zu steil werden zu lassen, hätten die Rampen 100 bis 200 Meter lang werden müssen. „Dann wäre der gesamte Mittelbahnsteig zur Rampe geworden“, erläutert Burghardt.

Nach dem Umbau werde der vordere Bahnsteig am Empfangsgebäude zum S-Bahn-Halt umgewandelt, kündigt Projektleiter Thiemann an. Damit berücksichtige man bereits die Pläne des Hochtaunuskreises, die Strecke bis Usingen zu elektrifizieren und so die S5 zu verlängern. Damit die Fahrgäste ebenerdig in die S-Bahn-Züge einsteigen können, muss der Bahnsteig auf 96 Zentimeter angehoben werden.

Was allerdings kuriose Folgen hat: Denn nur die eine Hälfte des Bahnsteigs gehört der Deutschen Bahn, die andere Hälfte ist Eigentum der Hessischen Landesbahn. Weil die das Gleis nur zum Parken ihrer Züge nutze, wolle sie am jetzigen Zustands nichts ändern, teilt Frank Roeder von der DB-Tochter Station & Service mit. Somit wird der Bahnsteig wohl künftig zwei unterschiedliche Höhen aufweisen.

Nicht in die Höhe, sondern in die Breite solle der zweite Bahnsteig wachsen, kündigte Gustav Thiemann an. Dazu werde das östliche Gleis um einen Meter verschoben. Hier kommen künftig die Regionalzüge an.

Vorgesehen sind darüber hinaus eine Überdachung der Bahnsteige, zusätzliche Sitzgelegenheiten und neue Lampen und Lautsprecher. Eine Toilettenanlage sei derzeit nicht eingeplant, räumt der Leiter des Bahnhofsmanagements, Hartmut Schwarz, ein. Grundsätzlich sei das aber möglich, wenn man sich mit der Stadt einig werde.

Acht Millionen Euro sind für den Bahnhofsumbau insgesamt eingeplant, die Stadt beteiligt sich daran laut Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) mit rund zwei Millionen Euro. Den Rest teilen sich das Land und die Deutsche Bahn.

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