© Rolf Oeser, FR
Der Bahnhof Neu-Isenburg.
Neu-Isenburg
Rhein-Main

Ärger über Wildparker in Neu-Isenburg

Von Annette Schlegl
12:45

Der Wunsch der Frankfurter: Der Verkehr soll raus aus der Stadt, die Besucher sollen in den Vororten parken und die öffentlichen Verkehrsmittel in die Frankfurter City nehmen. Die Neu-Isenburger sehen das ganz anders: Sie ärgern sich, weil die Parkflächen an ihrem Bahnhof von Auswärtigen zugeparkt werden. Gerade in den vergangenen Ferienwochen waren Autos tagelang dort abgestellt.

Eine Momentaufnahme an der Neu-Isenburger S-Bahn-Station: Fahrzeuge aus Jena, Heidelberg, Ravensburg, Nürnberg, Mülheim an der Ruhr, Kleve, Bonn parken auf der Bahnhofstraße und in den Nebenstraßen – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Für den Kurztrip nach Frankfurt locken die Parkplätze, die ohne Zeitbegrenzung genutzt werden dürfen. Auch Reisende haben Neu-Isenburg entdeckt, lassen ihr Auto dort stehen, sparen sich die teuren Parkgebühren am Flughafen.

„Das war im vergangenen Jahr auch schon so“, weiß Holger A. aus Gravenbruch, der seinen vollen Namen nicht genannt haben möchte. Er ist täglich mit der S-Bahn von Neu-Isenburg nach Frankfurt unterwegs. „In der Ferienzeit habe ich schon etliche Bahnen verpasst, weil ich einfach keinen Parkplatz gefunden habe oder so weit ab vom Schuss parken musste, dass ich weit laufen musste“, klagt er. Er sei extra früher von zu Hause losgefahren, aber viel gebracht habe das auch nicht. „Man sieht hier ja lauter Autos mit fremden Kennzeichen wochenlang auf den Parkplätzen stehen.“

Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU) bestätigt, dass das Problem lange bekannt ist. „Ich bin seit acht Jahren im Amt, und das Ganze war schon vorher so.“ Es gebe eine ganze Reihe von Parlamentsanträgen dazu. „Wir kennen den Parkdruck.“ Er könne 100 Stellen in Neu-Isenburg aufzählen, an denen Leute ihr Auto abstellen und zum Flughafen fahren. Man könne ja nicht „die ganze Stadt mit Parkverboten zukleistern“. Gleichzeitig könne er „weder einem Isenburger noch einem anderen einen Parkplatz frei halten.“

Dezernent will keine Parkverbotsschilder

Der Dezernent für Sicherheit und Ordnung fasst Parkverbotsschilder rund um den Bahnhof nicht ins Auge, „weil wir dadurch den Parkraum verknappen“. Das bringe nur einen Verlagerungseffekt in die Innenstadt. Auch Parkraumbewirtschaftung mit Parkscheinautomaten oder Anwohnerparken bewirke nur Ähnliches. Das Parken auf die Einheimischen zu beschränken, gehe auch nicht, weil heutzutage jeder bei einem Zuzug das alte Kennzeichen behalten kann und damit nicht unbedingt ein OF-Kennzeichen hat.

Die Stadt werde noch mehr Parkflächen benötigen, wenn die Züge der Regionaltangente West (RTW) kommen. „Es bringt nichts, jetzt auf Kosten der Stadt oder der Bahn ein Parkhaus zu bauen, um das Problem zu beheben“, sagt er. In ein paar Jahren müsse sowieso alles neu überplant werden, weil die RTW-Trasse genau dort durchlaufe, wo heute geparkt werde. Aktuell werde das Parkraummanagement für die Gesamtstadt gerade angedacht – mit Mobilitätsstationen für Autos und Fahrräder.

Dank des Dieselfahrverbots in der Frankfurter Umweltzone werden sich die Neu-Isenburger künftig wohl noch öfter ärgern müssen. Das geplante Park-and-ride-Parkhaus im Osten der Stadt, das der Naturschutzbund (NABU) sowie Gegner der RTW-Verlängerung ins Birkengewann ablehnen, könnte am Ende vielleicht sogar größer ausfallen.

Lesen Sie weitere Berichte aus Neu-Isenburg   Zur Startseite