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"Nimm die Zahnbürste ..." Offenbachs Erzieher sollen oft mit den Kindern sprechen.
Offenbach
Rhein-Main

Kitabesuch hilft bei der Sprache

Von Fabian Scheuermann
11:01

Der Anteil der Kinder in Offenbach, die im Jahr vor ihrer geplanten Einschulung fehlerfrei Deutsch sprechen, ist in den letzten Jahren deutlich geschrumpft: 2017 sprachen nur etwa 28 Prozent der Kinder mit Migrationsgeschichte – und die machen in Offenbach knapp drei Viertel aller Kinder im Einschulungsalter aus –, fehlerfrei Deutsch. 2016 waren es noch 32 Prozent und 2015 etwa 44 Prozent. Das geht aus dem Gesundheitsbericht 2017 hervor, den das Offenbacher Gesundheitsamt am Dienstag vorgelegt hat. Grundlage für den Bericht sind die Schuleingangsuntersuchungen, auf deren Basis auch darüber entschieden wird, ob etwa vor Schulbeginn eine Sprachtherapie vermittelt wird oder ob ein Kind spezielle Deutschkurse besuchen kann.

Ein weiterer Befund: Mit „wachsender Kita-Besuchsdauer“ wachse die Sprachkompetenz der Kinder. Laut Barbara Schneider vom Stadtgesundheitsamt war der Anteil der Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen 2017 bei jenen Kindern am größten, die keine oder nur kurz eine Kita besucht hatten. Schneider verwies in diesem Zusammenhang allerdings auch auf Probleme: So bildeten sich in manchen Kitas „muttersprachliche Gruppen“. Schneider empfiehlt daher, mehr Erzieherinnen und Erzieher einzustellen.

Das jedoch ist einfacher gesagt als getan: Denn schon heute haben die Betreuungseinrichtungen große Probleme, überhaupt qualifiziertes Personal zu finden. So sind derzeit alleine im Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) 84 Personen eingestellt, die keine Fachkräfte sind. 16 Stellen sind unbesetzt, und für die neuen Kitas am Hafen und im Senefelderquartier werden laut EKO-Leiterin Claudia Kaufmann-Reis noch 15 Fachkräfte gesucht.

Diejenigen Mitarbeiter aber, die bereits in den über 20 EKO-Kitas in Offenbach arbeiten, haben Kaufmann-Reis zufolge alle von der Stadt finanzierte Schulungen in „alltagsorientierter Sprachförderung“ durchlaufen. Das heißt, dass das Personal versucht, möglichst häufig mit den Kindern auf Deutsch zu sprechen: Zieht ein Kind etwa seine Jacke an, kann man sagen: „Siehst du, dein Anorak hat zwei Ärmel.“

„Es ist wichtig, mit den Kindern darüber zu sprechen, was sie gerade tun, und zwar in ganzen Sätzen“, sagt Kaufmann-Reis. Denn bei vielen nicht-deutschsprachigen Kindern in einer Kita sei es eine „große Verführung und Gefahr“, nur noch in vereinfachten Sätzen zu sprechen. „Dem wirken wir mit unseren engmaschigen Schulungen entgegen“, so Kaufmann-Reis.

Auch gebe es weitere Förderprogramme von Land und Bund. So laufe zur Zeit auch in Offenbach das Bundesprogramm „Sprach-Kitas“. In dessen Rahmen bekamen die Kitas mit je einer halben Stelle Sprachbeauftragte zugewiesen. Eine weitere Person ist für Fachberatung zuständig. „Das ist eine wunderbare Ergänzung“, sagt Kaufmann-Reis.

Doch sei die Lage trotz allem schwierig: „Wir haben massenhaft Kinder, die so gut wie gar kein Deutsch sprechen“, sagt die EKO-Leiterin. Darunter seien etwa Kinder aus rumänischen und bulgarischen Familien, die neu nach Offenbach gezogen sind. Das könne mit erklären, warum „trotz aller Bemühungen das Sprachniveau gesunken ist“. Man gehe aber davon aus, dass diejenigen, die volle drei Jahre in eine Kita gehen, eine „reelle Chance“ haben, bei Schulbeginn gutes Deutsch zu sprechen. Offenbachs Sozialdezernent Peter Schneider (Grüne) sieht darin einen Beleg, dass die Sprachförderprogramme in den Kitas „auch greifen“.

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