© Renate Hoyer, FR
Ein Teil des Theaterensembles hat sich am Einhorn-Brunnen vor der Alice-Eleonoren-Schule versammelt.
Erkundungstour Darmstadt
Rhein-Main

Audiowalk duch Darmstadt

Von Jens Joachim
22:19

Das Theaterensemble ist kunterbunt zusammengesetzt: ein Mann, der gerne Frauenkleider trägt, zwei Flüchtlinge, eine junge Frau, die nichtbehinderte Menschen mit der mitunter recht schwierigen Welt einer Rollstuhlfahrerin vertraut macht oder eine Dramaturgin, die mit einer schwarzen Affenmaske mitten in der Fußgängerzone auf einem Klo Platz nimmt und Passanten mit Fragen konfrontiert. Ein Dutzend Mitglieder des Theaterlabors INC. haben am vergangenen Wochenende auf verschiedenen Plätzen und Wegen in der Darmstädter Innenstadt mit den letzten Proben zur Aufführung des Stücks „Unsere kleine behinderte Stadt – eine diverse Reise zu den Unorten Darmstadts“ begonnen. Die Premiere des Straßentheaterstücks ist für kommenden Freitag geplant.

„Städte sind Räume, in denen die Zukunft und die Gegenwart permanent verhandelt werden“, lautet das Credo von Max Augenfeld und Nadja Soukup, die das Theaterlabor INC. leiten. Für das Stück haben die Theatermacher auch Interviews mit Menschen aus Darmstadt geführt, die eher selten im Fokus des Interesses stehen. Sie haben sich mit Hartz-IV-Empfängern bei der Darmstädter Tafel, mit Bewohnern einer Bauwagensiedlung oder mit Prostituierten auf dem Straßenstrich unterhalten und sie zu ihrem ganz persönlichen Verhältnis zur Stadt befragt.

Einige Sequenzen der Interviews werden die mit Kopfhörern und einem Wiedergabegerät ausgestatteten Teilnehmer des „medial-theatralen Spaziergangs“ zu hören bekommen. „Erleben Sie Darmstadt zusammen mit uns aus einem neuen Blickwinkel“, lautet die Einladung der Theatermacher zu dem Audiowalk, der um besondere Life Acts ergänzt wird. Gefördert wird das Projekt auch vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Modellprojekts „Kulturkoffer“. Für die Erkundungstour durch die Innenstadt hat ein Sanitätshaus zehn Rollstühle zur Verfügung gestellt, mit denen die nichtbehinderten Menschen nachempfinden können, wie es sich anfühlt, über unebenes Kopfsteinpflaster zu rumpeln oder dass es an manchen Stellen in der Stadt Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern nur mit Unterstützung von laufenden und kräftigen Menschen möglich ist, steile Rampen zu überwinden.

Die bunt gemischte Reisegruppe und das inklusive Ensemble, das Soukup zufolge aus knapp 20 „etwas anderen Einwohnern dieser Stadt“ besteht, lädt dazu ein, das eigene Verhalten zu reflektieren und mit anderen Menschen in einen Dialog zu treten. Der Begriff Inklusion wird bei dem Theaterprojekt Soukup zufolge bewusst sehr weit und in seiner ursprünglichen Bedeutung interpretiert: „Alle kommen vor – alle sind dabei“.

Premiere des ersten Audiowalk mit den Theatereinlagen ist am Freitag, 14. September, um 17.30 Uhr. Die zweite Vorstellung beginnt am Samstag, 15. September, um 16 Uhr. Die Teilnehmerzahl für die beiden Vorstellungen ist begrenzt. Der Startpunkt der ganz speziellen Stadterkundungstour wird bei der Kartenbestellung bekanntgegeben. Karten für zehn Euro (ermäßigt sechs Euro) und weitere Informationen gibt es via E-Mail unter info@theaterlabor-inc.com oder telefonisch unter 06151/6677998.  Die Internetadresse lautet www.theaterlabor-inc.com.

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