© Christoph Boeckheler, FR
Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, besuchte die Frankfurter SPD.
Aschermittwoch in Frankfurt
Rhein-Main

Die SPD und die Hoden des Bösen

Von Claus-Jürgen Göpfert
22:14

Den ganzen langen Abend über leuchtet neben der Bühne in der Naxos-Halle der rote Würfel mit den drei weißen Buchstaben. Die SPD macht sich Mut: Für die letzten zehn Tage des OB-Wahlkampfs – und überhaupt. Politischer Aschermittwoch: Das heißt im Jahre 2018 vor allem Selbstvergewisserung in Zeiten großer Unsicherheit.

Als besondere Unterstützerin für den Oberbürgermeister ist an diesem Abend Malu Dreyer gekommen, die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Aber erst einmal muss das Publikum das ironische Theater von Gastgeber Willy Praml ertragen. „Die SPD hat sich als selbstständige Hauptsündenböckin des Jahrhunderts schänden lassen“, urteilt der Theatermacher.

Und Schauspieler Michael Weber bringt eine bitterböse Satire unter dem Titel „Die Hoden des Bösen“ auf die Bühne, in der es um Sacher-Masoch geht und um Schulz, der so gerne winselt und dackelblickt. „Du meinst es gut mit uns, Willy“, sagt später Frankfurts SPD-Chef Mike Josef, „Du hast nicht gesagt: Die SPD hat sich selbst geschändet.“

In solch einer Situation hilft nur Attacke. Und so greift Josef unter großem Beifall die OB-Kandidatin der CDU, Bernadette Weyland, an, dass es nur so kracht. Die CDU-Politikerin verfüge über keinerlei Konzepte, sie sei letztlich nur ein „Investoren-Papagei“. Bis heute habe Weyland nichts zu der Tatsache gesagt, dass das Land Hessen der Stadt eine Milliarde Euro über den kommunalen Finanzausgleich genommen habe. Josef fordert die OB-Kandidatin auf, endlich öffentlich zur Klage der Stadt gegen das Land Stellung zu beziehen. Und er nennt sie eine „Heuchlerin“.

Die eigene Basis aber fordert der Partei-Vorsitzende auf: „Seid stolz und selbstbewusst!“ Die SPD in Frankfurt habe „leider keinen Rückenwind“ von der Bundesebene – doch das, so Josef unter Gelächter, sei sie ja seit Jahren gewohnt.

Der Oberbürgermeister nennt es prompt „die Ehre meines Lebens, Frankfurts OB zu sein“. Und Malu Dreyer lobt Frankfurt als „wunderbare Stadt“, die für Vielfalt und Offenheit stehe. Das bereichere die Gesellschaft. Die bösen Worte „große Koalition“ oder gar „Mitgliederentscheid“ fallen kein einziges Mal.

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