© Renate Hoyer, FR
So schön ist es im Taunus.
Wandern
Rhein-Main

„Die Leute wollen raus aus der Stadt“

Von Katja Neitemeier
15:57

Frau Weidert-Horn, Sie kennen den Taunus wie Ihre Westentasche, auch jetzt, während wir telefonieren, sind Sie unterwegs. Haben Sie eine Lieblingsroute? 
Was ich total schön finde, ist das Weiltal. Das ist auch für Ungeübte geeignet. Zwar gibt es dort auch einige Steigungen, aber die sind nicht so „schlimm“. Schön ist es, wenn man vom Feldberg in Richtung Weiltal runtergeht. Ich empfehle, nicht von Oberursel auf den Feldberg zu laufen. Das ist zwar der Klassiker, aber dementsprechend voll ist es dort. Wenn man seine Wanderung von Oberursel aus starten möchte, kann man auch gut auf den Altkönig gehen. Das ist der zweithöchste Berg im Taunus. Auf dem Gipfel gibt es eine alte Keltensiedlung. Zwar stehen nur noch die Mauern, aber es hat echt etwas Mystisches, wenn man dort oben ist. Außerdem hat man einen tollen Blick auf die Rhein-Main-Ebene. Für die Wanderung braucht man ungefähr vier Stunden. 

Kann man auch als Anfänger oder mit Kindern gut im Taunus wandern? 
Prinzipiell ja. Wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, empfehle ich eher leichte Touren. So verlieren sie nicht gleich wieder den Spaß am Wandern. Zum Beispiel auf Wegen, auf denen es leicht abschüssig ist und danach ein Eis winkt. Auch ein Picknick unterwegs ist ein Highlight für viele Kinder. Ich erlebe es immer wieder, dass Eltern ihren Kinder das Wandern verleiden. Oft liegt es daran, dass sie Touren aussuchen, die viele Steigungen haben und für Kinder sehr anstrengend sind. Manche suchen auch eher langweilige Strecken aus. 

Was macht eine Strecke denn spannend für Kinder ?
Gerade im Taunus gibt es einige spannende Sachen. Geht man zum Beispiel vom Feldberg aus in Richtung Weil runter, gibt es da eine Falknerei, die man besuchen kann. Der Weg ist leicht abschüssig und es gibt unterwegs viele Möglichkeiten, ein Picknick zu machen. Ich finde das für Kinder total klasse. 

Viele meiner Freunde fangen an zu wandern. Dabei war das doch lange Zeit eher out. Haben Sie das Gefühl, dass immer mehr junge Menschen die Wanderlust packt? 
Ja, den Eindruck habe ich auch. Vor allem auch das „sportliche Wandern“ ist bei den Jüngeren beliebt. Zum Beispiel findet Anfang August wieder eine 24-Stunden-Wanderung statt. Die ist jetzt schon ausgebucht, das Interesse ist also groß. 

Woran liegt es denn, dass jetzt wieder mehr jüngere Leute Interesse haben?
„Outdoor“ ist im Moment ein Riesenthema. Wenn man sieht wie viele Outdoorläden es gibt und wie edel ausgestattet die sind. Als ich früher Bergschuhe gekauft haben, bin ich in irgendeinen muffigen Laden gegangen und das war’s. Geschäfte wie „Globetrotter“ verkaufen immer auch ein gewisses Feeling. Und ich glaube, das kommt wirklich an bei den Leuten. 

Liegt es also nur am gekonntem Marketing? 
Nein, ich denke nicht. Die Leute wollen raus aus der Stadt und Naturerfahrungen machen. Einige meiner Freunde machen gerne und oft Fernwanderungen. Die sind manchmal verwundert, wenn ich ihnen vorschlage, doch mal im Taunus zu wandern. Viele sagen: im Taunus? Da war ich doch schon mit meinen Eltern wandern. Dabei gibt es dort viel zu entdecken. 

Ich habe einige Artikel zu E-Bikes in bergigen Regionen gelesen. Ist das ein Thema im Taunus? 
Ja, auf jeden Fall. Der Naturpark vermietet auch E-Bikes, sogenannte Pedelecs. Die sind anders als etwa das E-Bike, das meine Oma früher benutzt hat, um in die Stadt zu fahren. Sie sind eher aufgerüstete Mountainbikes. Auf dem Feldberg hat man früher nur ambitionierte Rennrad- oder Mountainbikefahrer gesehen. Inzwischen sind dort sehr viele mit dem Pedelec. 

Ist das nicht komisch, es gar nicht aus eigener Muskelkraft auf einen Hügel oder Berg zu schaffen? 
Für viele ist das Pedelec ein Erlebnis. Sie können jetzt wieder in die Berge fahren. Einerseits ist das gut, dass es Leuten das Fahrradfahren ermöglicht, die das zum Beispiel konditionell oder von den Knochen nicht mehr so gut können. Da ist schön. Aber ich denke, dass man das Ganze auch mit Augenmaß machen sollte. Problematisch ist es etwa, dass viele noch nicht die nötige Routine haben. Mit dem Fahrrad den Feldberg hinunterzufahren ist schwierig. Beim Mountainbike ist es ja normalerweise so, dass man nicht sofort von null auf hundert geht. Die fangen mit leichteren Touren an und steigern sich langsam. Menschen auf Pedelecs fehlt diese Routine oft. 

Fehlt nicht auch das Erfolgserlebnis, wenn man es „nur“ motorisiert auf den Feldberg schafft? 
Ich würde keine Fahrradtour auf einem Pedelec machen. Für Menschen, die sonst gar nicht Fahrrad fahren, ist es eine schöne Sache. Schließlich ist es kein Motorrad, sondern sie müssen trotzdem noch selber in die Pedale treten.

Wie viele Führungen machen Sie ungefähr im Monat? 
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der Saison ab. Im Sommer sind es manchmal zehn Wanderungen oder mehr in der Woche. Im Winter sind es ungefähr zwei im Monat. 

Die Hochsaison ist also im Sommer? 
Die Hochzeit ist eigentlich so von Mai bis Juni. Das ist die erste „Welle“. Dann kommt der Hochsommer im Juli, da wird es dann ein bisschen weniger. Zu dieser Zeit sind auch oft Ferien. Und dann geht es wieder richtig los ab Mitte August bis Mitte/Ende Oktober. Das sind die Hauptmonate, in denen wir die meisten Führungen haben.

Interview: Katja Neitemeier

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