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Im Gespräch: Thorsten Schäfer-Gümbel (re.) und OB Peter Feldmann sammeln Unterschriften.
SPD-Wahlkampf in Frankfurt
Rhein-Main

Die Macht der Mieter

Von Claus-Jürgen Göpfert
15:47

Eigentlich haben die Menschen hier ganz andere Sorgen. „Wir bräuchten dringend einen zweiten Fahrstuhl“, brummt der ältere Mann in Shorts und T-Shirt, der unten vor der Begegnungsstätte sitzt. „Der eine, den wir haben, der ist ständig kaputt“. Das Hochhaus, ergänzt die Betreuerin von der Begegnungsstätte, stammt aus dem Jahr 1972, mehr als 100 Menschen wohnen im Gebäude.

Genau hier, in der Siedlung am Ben-Gurion-Ring, startet die SPD am Freitagabend ihre Kampagne, mit der sie erreichen will, dass auch bei der Wohnungsgesellschaft GWH die Mieten nahezu eingefroren werden – wie das schon beim städtischen Konzern ABG der Fall ist.

Und weil die Hessen-SPD die Wohnungspolitik zum wichtigsten Punkt ihres Landtagswahlkampfes macht, taucht auch ein hochgewachsener Mann im dunkelblauen Anzug mit lila Krawatte vor dem Haus auf. Der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel spricht von 50 000 Menschen in Hessen, die für eine Sozialwohnung registriert sind. Und fordert zugleich eine Zukunft, in der die Bürger nicht mehr als ein Drittel ihres Geldes für die Miete ausgeben müssen.

Es gelte, die Explosion der Mieten auch dadurch zu begrenzen, dass sie bei der GWH, einer Tochter des Landeskonzerns Helaba, nicht weiter steigen.

Für den zweiten Mann im dunkelblauen Zweiteiler, diesmal mit weißem Hemd und fliederfarbenem Schlips, ist der Besuch ein Heimspiel. 50 Meter von hier steht das Jugendhaus, das Oberbürgermeister Peter Feldmann vor Jahrzehnten geleitet hat. „Es ist eine Gegend, die mich geprägt hat“, sagt der Sozialdemokrat schlicht. Und fügt hinzu: „Bezahlbares Wohnen ist die entscheidende soziale Frage des 21. Jahrhunderts.“

OB mit Unterschriftenliste

Feldmann freilich ist einer, der solche Feststellungen sofort in praktisches Handeln umsetzt, mit der Unterschriftenliste auf die Leute zugeht und ihnen erklärt, was Sache ist. Und siehe da: Das vorher leere Blatt füllt sich. 4400 Menschen leben in der Siedlung Am Bügel in 1772 Wohnungen, darunter 196 Unterkünfte für Studierende. „Als armer Student ist man um jeden Euro froh“, sagt ein angehender Jurist und unterschreibt sofort.

„Mieter haben auch Macht“, lautet die Botschaft des OB an das manchmal verblüffte Publikum am Bügel. Wohnungsdezernent Mike Josef (SPD) kündigt an, dass die Stadt in den nächsten Jahren bis zu 17 Millionen Euro in die Aufwertung der Siedlung investieren werde. Noch 2018 soll es neue Müllkörbe geben. Grünflächen will man zu artenreichen „Blühwiesen“ umwidmen und einen alten Bolzplatz sanieren.

Die SPD-Spitze wird ausführlich vom Hessischen Fernsehen befragt. Einer witzelt, die Kollegin plane den ersten langen Spielfilm über den OB. Bis 2040 werde in Hessen eine halbe Million neuer Wohnungen gebraucht, sagt Hans-Joachim Rosenbaum, im SPD-Schattenkabinett für Wohnungsbau und Landesentwicklung zuständig. Der politische Weg ist noch lang.

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