Darmstadt
Rhein-Main

Sieben Jahre Haft für 17 Messerstiche

Von Jens Joachim
17:19

Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung ist ein minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan zu einer siebenjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Die Zweite Strafkammer des Darmstädter Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der 17-Jährige seine Sprachpatin zwei Tage vor Heiligabend vorigen Jahres an der Schepp Allee im Darmstädter Verlagsviertel mit einem Springmesser attackiert und lebensgefährlich verletzt hat. Der Prozess fand wegen des Alters des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bei der Verkündung des Urteils und der Begründung waren jedoch Medienvertreter zugelassen.

Das Gericht folgte inhaltlich Oberstaatsanwalt Wolfgang Sattler, der nach Angaben des Vorsitzenden Richters Marc Euler in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren gefordert hatte. Eckart Sauer, der Anwalt der Geschädigten, habe wegen der Heimtücke und der niederen Beweggründe die Höchststrafe von zehn Jahren für angemessen gehalten. Und Ulrich Störmer, der Verteidiger des Angeklagten, habe wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung für eine Jugendstrafe von vier Jahren plädiert, so Euler.

In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter, der Angeklagte, der 2015 nach Deutschland geflüchtet sei, habe 17 Mal brutal und „mit einem absoluten Vernichtungswillen“ auf das Opfer eingestochen. Als die 17-Jährige schon am Boden gelegen habe, habe er auch noch auf sie eingetreten und somit seine Geringschätzung gezeigt. Euler bezeichnete das Verhalten des Angeklagten als „schwach und hinterhältig“.

Afghane  lernte Mädchen in Sprachklasse kennen

Der junge Afghane hatte das Mädchen in einer Sprachklasse kennengelernt. Die Mitschülerin fungierte als seine Sprachpatin. Richter Euler charakterisierte den Angeklagten als „Sunnyboy mit dunklen Seiten“. Zu der blutigen Tat sei es gekommen, nachdem das Mädchen die zum Teil befremdlichen Annäherungsversuche des Afghanen zurückgewiesen habe, er dies aber nicht akzeptiert habe. So sandte er seiner Angebeteten Bilder mit Selbstverstümmelungen zu, um ihr seine Liebe zu beweisen. Ein von der Mutter des Mädchens initiiertes Gewaltschutzverfahren wurde jedoch im Herbst 2016 eingestellt, „weil beide offenbar zunächst nicht voneinander lassen konnten“, so Euler.

Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Frankfurt kam der Minderjährige im Sommer 2017 nach Darmstadt zurück. Er wurde in eine Wohngruppe aufgenommen, besuchte eine Schule und einen Trommelkurs und lernte Deutsch. „Besser kann Integration nicht laufen“, sagte Richter Euler.

Als er jedoch abermals Kontakt zu dem Mädchen aufnahm und diese sich von ihm genötigt fühlte, wollte sie die Beziehung beenden. Bei einem letzten Treffen mit einer Umarmung zückte der betrunkene Afghane dann ein Messer und stach 17 Mal auf seine frühere Freundin ein. Dabei verfehlte er das Herz nur knapp. Eine Notoperation rettete ihr das Leben. Sie werde jeden Tag und lebenslang mit der Tat konfrontiert, sagte Euler. Sein Geständnis wurde dem Angeklagten positiv angerechnet. Er wolle „am liebsten die Zeit zurückdrehen“, soll er am Freitagmorgen gesagt haben. Nach der Verbüßung seiner Strafe drohe ihm die Abschiebung nach Afghanistan, kündigte Richter Euler an.

Lesen Sie weitere Berichte aus Darmstadt   Zur Startseite
Schlagworte