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Justizia ist wachsam (Symbolbild).
Frankfurt
Rhein-Main

Tod im Ehebett

Von Oliver Teutsch
16:34

Weil er seine schwangere Frau heimtückisch erstickt haben soll, muss sich ein 37-Jähriger seit Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Munir L. zudem vor, durch seine Tat das ungeborene Kind getötet zu haben.

L. und seine Frau waren 2015 gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern aus Afghanistan nach Deutschland gekommen und 2016 in ein Übergangswohnheim in Frankfurt-Bockenheim gezogen. Um die Ehe, die arrangiert gewesen sein soll, stand es nicht zum Besten. Im Juli 2016 reichte L. die Scheidung ein und zog aus der gemeinsamen Wohnung in der Voltastraße aus. Auf Drängen von L.s Vater und seiner Frau gab L. aber nach und zog im Mai 2017 wieder in die Wohnung ein. Der Vater soll laut Staatsanwaltschaft großen Einfluss auf seinen Sohn Munir gehabt haben. So weit ist die Anklage unstrittig.

Doch was sich in der Nacht des 19. September in der Wohnung in der Voltastraße ereignete, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Staatsanwaltschaft geht nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass L. seine 30 Jahre alte Ehefrau im Schlaf erstickte. Dazu soll er sich von hinten auf die bäuchlings liegende Frau gekniet und ihr den Kopf ins Kissen gedrückt haben. Als die Frau tot war, verständigte er telefonisch eine Nachbarin, damit diese den Rettungswagen rufe.

Der Angeklagte bestreitet den Tathergang. „Ich habe sie nicht getötet“, ließ er vom Dolmetscher übersetzen. Viel mehr war aus dem Angeklagten zunächst nicht rauszubringen, da er ohne Unterlass weinte und wimmerte. Der Vorsitzende Richter Volker Kaiser-Klan verlas daraufhin die Aussage aus der Verhandlung vor dem Familiengericht im März. Dort hatte L. angegeben, er habe seine neben ihm im Bett liegende Frau lediglich geschubst.

Etwas genauer wollte es die Große Schwurgerichtskammer dann aber schon wissen. Auf die unermüdlichen Nachfragen des Vorsitzenden Richters und des Dolmetschers gab der Angeklagte dann unter viel Wimmern und Schluchzen folgenden Ablauf zu Protokoll: Seine Frau habe am Vorabend geklagt, ihr sei schlecht und habe sich früh hingelegt. Am frühen Morgen sollte der damals knapp zweijährige Sohn seine tägliche Milch kriegen. Dies sei sonst die Aufgabe der Frau gewesen.

Die Version des Angeklagten

Die Gattin habe sich aber geweigert, Milch zuzubereiten. Die im fünften Monat schwangere Frau habe stattdessen gesagt, sie wolle sich und das ungeborene Kind umbringen. Daraufhin habe er seine Frau, die aufstehen wollte, im Bett gehalten und sei selbst in die Küche gegangen, um die Milch zuzubereiten. Als er zehn Minuten später wiederkam, habe seine Frau geschnarcht und sei trotz mehrmaligen Rüttelns nicht wachzukriegen gewesen. Daraufhin habe er zunächst versucht, einen Onkel anzurufen und als er diesen nicht erreichte, eine Nachbarin, die dann auch kam und den Notarzt verständigte. Die Reanimationsversuche blieben allerdings erfolglos.

Auf Nachfragen der Richter räumte der Angeklagte immer größeren physischen Druck auf seine Frau ein. Aus dem Schubsen wurde zunächst ein Halten und dann das Eingeständnis, er habe sie „schon ein bisschen im Schwitzkasten gehabt“. Während der Abläufe waren die beiden kleinen Kinder ebenfalls im Schlafzimmer, wo neben dem Ehebett auch ihre Betten standen.

L. war nach dem Tod seiner Frau mit den Kindern bei einem Bekannten in der Nordweststadt untergekommen, wo er zwei Tage nach der Tat von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen wurde. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der jetzt zweijährige Sohn und die fünfjährige Tochter befinden sich in der Obhut des Jugendamts, das auch als Nebenkläger auftritt.

Für den Prozess vor der 21. Strafkammer sind bis Ende September zunächst acht Fortsetzungstermine geplant.

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