Justiz
Rhein-Main

Prozess um Entführung von Unternehmersohn Würth beginnt

14:28

Weil er den Unternehmersohn Markus Würth entführt haben soll, steht ab Dienstag ein 48-jähriger Mann aus Offenbach vor dem Gießener Landgericht. Der Angeklagte Nezdad A. soll zudem Lösegeld in Höhe von drei Millionen Euro von der Familie Würth gefordert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft A. erpresserischen Menschenraub vor.

Markus Würth, Sohn des Schraubenunternehmers Reinhold Würth, wurde am 17. Juni 2015 kurzzeitig aus dem hessischen Schlitz entführt. Bereits einen Tag später wurde er wohlbehalten in einem Waldgebiet im Raum Würzburg an einen Baum gefesselt gefunden. Den Hinweis auf den Aufenthaltsort Würths gab der Entführer selbst. Lösegeld wurde nicht gezahlt.

Dem Angeklagten kamen die Ermittler erst 2018 durch eine Öffentlichkeitsfahndung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ auf die Spur. Eine Zuschauerin erkannte in der Tonbandaufnahme des Erpresseranrufs bei der Familie Würth die Stimme ihres Handwerkers.

In einer ersten Vernehmung bestritt A. die Vorwürfe. Er habe „zehn Stunden dauergequatscht“, sagte der bei der Polizei Fulda federführende Ermittler Daniel Muth. Seit März sitzt A. in Untersuchungshaft. Zuletzt lebte er in Offenbach. Laut Ermittlern kam der verheiratete zweifache Vater 1994 aus Serbien nach Deutschland.

Im März teilten die Ermittler mit, dass es im vergangenen Jahr eine neue Entführungsandrohung durch den Mann gab. In einer verschlüsselten E-Mail habe er die neue Entführung von Würth oder die Entführung anderer Angehöriger angedroht, wenn nicht umgerechnet etwa 70 Millionen Euro in Kryptowährung bezahlt würden. Es habe über etwa vier Monate eine Kommunikation mit dem Mann gegeben, ehe dieser den E-Mail-Kontakt abgebrochen habe. Lösegeld sei nicht gezahlt worden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass A. nicht allein handelte, sondern Mittäter war. Die weiteren Täter sind den Ermittlern unbekannt. Das Landgericht Gießen setzte im Fall Würth zwölf Verhandlungstage an. Mit einem Urteil ist erst im Dezember zu rechnen. A. drohen bei einer Verurteilung fünf bis 15 Jahre Haft. (AFP)

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