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Flüchtlinge in Brandenburg. Auch in Hessen haben viele einen Job gefunden.
Flüchtlinge in Hessen
Rhein-Main

Flüchtlinge kommen in Arbeit

Von Pitt von Bebenburg
18:39

In Hessen gelingt es schneller als erwartet, Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung zu bringen. Fast jeder Dritte der 45 000 Geflüchteten, die von 2015 bis 2017 nach Hessen kamen und hier über Bleiberecht verfügen, arbeitet in einem festen Job.

Das berichteten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Frank Martin, am Freitag beim Asylkonvent in der hessischen Staatskanzlei. Nach ihren Angaben absolviert ein weiteres Drittel eine berufliche oder sprachliche Qualifizierung. Das dritte Drittel sei noch arbeitslos.

Er sei „zuversichtlich, dass es gelingen wird, immer mehr von diesen Menschen in Beschäftigung zu bringen“, sagte Al-Wazir. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dankte dem Handwerk und anderen Beteiligten dafür, dass sie sich um die Aufnahme von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bemühten. „Das kann nicht nur mit staatlichen Mitteln gelingen“, sagte er.

Minister Al-Wazir und Chef-Arbeitsvermittler Martin betonten, dass niemandem durch die Beschäftigung der Flüchtlinge ein Arbeitsplatz weggenommen werde. Die geflüchteten Menschen seien „in nennenswertem Umfang“ in Jobs tätig, für die sich keine anderen Bewerber fänden, etwa in Gaststätten, der Reinigungsbranche oder der Logistik, sagte Frank Martin.

Ohnehin konnten nach Al-Wazirs Angaben 2017 weniger als die Hälfte der zusätzlichen Arbeitsplätze mit deutschen Bewerbern besetzt werden. Auf den 65 000 neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen wurden demnach 29 000 Deutsche und 36 000 Ausländer beschäftigt. Die meisten davon kämen aus der Europäischen Union, etwa 8000 aus den Herkunftsstaaten von Asylbewerbern.

„Ohne Zuwanderung wird es kein Beschäftigungswachstum geben“, schloss Martin. Schon heute sei Wirtschaftswachstum „nur möglich, weil wir Zuwanderung haben“. Davon profitieren nach Einschätzung der Verantwortlichen beide Seiten. „Arbeit ist einer der Schlüssel zur Integration“, betonte Al-Wazir.

Auch auf dem Ausbildungsmarkt kommen die Flüchtlinge zunehmend an. 1600 von ihnen schlossen Lehrverträge ab. „Ohne Flüchtlinge wäre die Zahl der Bewerber deutlich zurückgegangen“, sagte Frank Martin; so sei sie angestiegen. Das sei wichtig für die Wirtschaft, meinte Al-Wazir, denn „Hessens Unternehmen suchen händeringend nach Auszubildenden“.

An den Schulen machen sich die Anstrengungen der Lehrkräfte nach Bouffiers Worten bezahlt. Seit 2014 seien insgesamt 60 000 Schülerinnen und Schüler angekommen, die kein Deutsch gekonnt hätten. Von ihnen seien 35 000 so weit, dass sie am Unterricht in den Regelklassen mit ihren deutschen Mitschülern teilnehmen könnten, berichtete Bouffier und urteilte: „Das ist ein riesiger Erfolg.“

Die Linke kritisierte, die Abschiebepraxis der Landesregierung mache viele Integrationsbemühungen zunichte. „Gut integrierte Menschen mit Arbeits- oder Ausbildungsplatz sind von Abschiebung bedroht“, stellte Linken-Fraktionschefin Janine Wissler fest.

Im Asylkonvent beraten rund 50 Vertreter von Regierung und Landtag, Wirtschaft, Kirchen, Gewerkschaften und weiteren gesellschaftlichen Organisationen. Der Konvent startete 2015 und tagte jetzt zum neunten Mal.

Journalisten dürfen nicht teilnehmen. Jetzt gab es erstmals eine Ausnahme. Am Freitag konnten die Reporter in der ersten halben Stunde zuhören.

In dieser Zeit sprach die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), die ihren Beitrag mit viel Lob für den Konvent und Ministerpräsident Bouffier garnierte. So habe Hessen mit Rechtsstaatskursen für Asylbewerber „Pionierarbeit geleistet“.

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