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Schüler im Klassenraum (Symbolfoto).
Ganztagsschulen in Hessen
Rhein-Main

Auf dem Weg zu Ganztagsschulen

Von Pitt von Bebenburg
16:34

Es wurde heftig gestritten über die Schulpolitik am Mittwoch im Landtag. Dabei waren sich eigentlich alle Parteien in einem einig: Es muss mehr Schulen mit Ganztagsangeboten geben.

Die Opposition warf der schwarz-grünen Regierung vor, viel zu langsam Angebote zu schaffen. „Beim schwarz-grünen Ausbautempo würde es 500 Jahre dauern, bis die Hälfte aller Grundschulen ausgebaut ist“, rechnete der SPD-Abgeordnete Christoph Degen vor. Die SPD will pro Jahr 50 Grundschulen zu Ganztagsschulen machen. Der CDU-Schulpolitiker Armin Schwarz behauptete, schon 70 Prozent der hessischen Schulen verfügten über Ganztagsangebote. Wie passt das zusammen?

SPD und Linke akzeptieren nur „echte Ganztagsschulen“, an denen Schüler auch nachmittags lernen, Erholungsphasen über den Tag verteilt sind und es keine Hausaufgaben gibt. Die schwarz-grüne Koalition zählt hingegen auch Schulen dazu, die nur an drei Tagen in der Woche bis 14.30 Uhr nachmittags freiwillige Angebote machen. Außerdem zählen für Schwarz-Grün die zahlreichen Schulen, die beim „Pakt für den Nachmittag“ mitmachen. Dort sorgen die Kommunen für eine Betreuung am Nachmittag.

Die SPD hat diesen „Pakt für den Nachmittag“ stets abgelehnt, weil dahinter kein pädagogisches Konzept für eine Ganztagsschule stecke. Am Mittwoch nun stellte sich SPD-Politiker Degen mit Verve hinter den Koalitionsvertrag auf Bundesebene, der einen „Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter bis zum Jahr 2025“ verspricht.

Das sei nicht weniger als „der Abschied der hessischen SPD von ihren früheren Positionierungen zum Thema Ganztag“, urteilte Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner. Ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung sei ja kein Anspruch auf eine gebundene Ganztagsschule. Zudem verweise die große Koalition im Bund darauf, dass sie das Sozialgesetzbuch XIII anwenden wolle, in dem die Kinder- und Jugendhilfe geregelt ist. Das bedeute, dass die Kommunen zuständig würden und nicht das Land, erklärte Wagner. Mithin habe die SPD ihren Frieden mit dem „Pakt für den Nachmittag“ geschlossen.

Die SPD trat diesem Eindruck entgegen. Ihr Abgeordneter Gerhard Merz sagte, es handele sich um ein „Missverständnis“.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) versicherte erneut, in Hessen sei in den vergangenen fünf Jahren jeder Antrag auf eine gebundene Ganztagsschule angenommen worden, wenn er „sauber begründet“ gewesen sei. SPD-Mann Degen bezweifelte, dass Lorz von allen interessierten Schulen wisse. Ihn erreichten nur Anträge, die von den Staatlichen Schulämtern vorgelegt würden.

Der Kultusminister müsse sich aber über den echten Bedarf vor Ort informieren, fügte Degen hinzu. In manchen Fällen fehle es schlicht an den notwendigen Räumen. Dann müsse das Land den Kommunen unter die Arme greifen, wenn es den Ausbau von Ganztagsschulen anstrebe.

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