© (Extern), FR
Kein Teil darf fehlen, damit der Engel sichtbar wird.
Mörfelden-Waldorf
Rhein-Main

Engel der Kulturen macht Station

Von Claudia Kabel
13:38

Was passiert, wenn man die Symbole der drei abrahamschen Religionen – den Halbmond, das Kreuz und den Stern – innerhalb eines Metallkreises zueinander in Beziehung setzt? „Überraschenderweise visualisiert diese Formation die Gestalt eines Engels“, stellten die Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten vor zehn Jahren fest und nannten das entstandene Objekt „Engel der Kulturen“.

Seitdem reisten die beiden bildenden Künstler aus Burscheide bei Köln mit ihrem ein Meter fünfzig großen Metallrad bereits in 120 Städte, um für einen interreligiösen Dialog zu werben. Auch in Brüssel, Istanbul und Thessaloniki waren sie schon. Als zweite Stadt im Rhein-Main-Gebiet nach Dietzenbach (Kreis Offenbach) 2016 soll nun Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) einen Engel der Kulturen bekommen. „Wir erhoffen uns für Mörfelden-Walldorf einen positiven Effekt im Zusammenleben“, sagt Kirsten Flach-Köhler, Leiterin des Evangelischen Zentrums für Interkulturelle Bildung.

Zu der Kunstaktion am 16. Juni gehört nicht nur ein Umzug des rollenden Engels durch die Stadt, sondern auch die Einarbeitung einer Intarsie des gleichen Motivs im Boden des Vorplatzes am Bahnhof Walldorf. Die 65 mal 65 Zentimeter große Intarsie wird jeweils in der Stadt erstellt, in der der Engel zuvor Station gemacht hat. Die ausgestanzten Engel werden mit dem Namen des jeweiligen Pilgerorts versehen, aufgeschichtet und sollen 2019 in Jerusalem als Säule aufgestellt werden, „um in dieser konfliktbeladenen Hauptstadt der drei Weltreligionen zu dokumentieren, wie viele Menschen durch die Mitwirkung an diesem Kunstprojekt für ein friedliches Zusammenleben eintreten“, so die Ankündigung.

Miteinander ins Gespräch kommen

„Die Intarsie für Mörfelden-Walldorf wurde in Köln angefertigt“, berichtet Anette Keim, Leiterin des Integrationsbüros der Stadt. In Mörfelden-Walldorf werde die Fliese für Wuppertal ausgestanzt. Rund 4000 Euro kostet die Aktion die Kommune. Die Summe werde voraussichtlich durch Spenden und Sponsoren gedeckt, so Flach-Köhler.

„Es ist ein schönes Projekt, um den interreligiösen Dialog sichtbar zu machen“, findet Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD). Beteiligen werden sich zahlreiche religiöse und nichtreligiöse Vereine, Initiativen und Organisationen. Auch mehrere Schulen machen mit.

Insgesamt gibt es auf dem gemeinsamen Weg sieben Stationen, die von den beteiligten Gruppierungen unterschiedlich gestaltet werden. Geplant sind Gedicht- und Liedvorträge, eine Ausstellung, eine Bastelstation und Essensangebote. Zudem wird an fünf Stationen zwischen Rathaus und Bahnhof jeweils ein temporärer Sandabdruck von dem rollenden Engel erzeugt. Höhepunkt ist das gemeinsame multireligiöse Friedensgebet mit Abschlussfest am Bahnhof Walldorf.

Lesen Sie weitere Berichte aus Mörfelden-Walldorf   Zur Startseite
Schlagworte