© Monika Müller, FR
Wohnungen in Offenbach.
Offenbach
Rhein-Main

Frankfurter sind inzwischen willkommen

Von Agnes Schönberger
09:37

Die Stadt Offenbach hat sich jahrelang gegen den Bau von Sozialwohnungen gewehrt. Jetzt ist sie froh, dass die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG und die Nassauische Heimstätte (NH/Frankfurt) in Offenbach Mietshäuser und öffentlich geförderte Wohnungen errichten. „Hauptsache ist doch, dass gebaut wird“, meinte jüngst Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FPD), angesprochen auf die geringe Bautätigkeit der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Offenbach (GBO), die jährlich 30 neue Wohnungen bauen will.

Interessant an Weiß’ Aussage ist, dass offensichtlich nicht nur seine Partei einen Sinneswandel vollzogen und nichts mehr gegen auswärtige Bauherren hat, die erschwingliche Wohnungen errichten. Vor wenigen Jahren war genau das ein großes Reizthema gewesen, weil die Offenbacher den Zuzug von Frankfurter Hartz-IV-Empfängern befürchteten. Es stellt sich aber auch die Frage, ob Offenbach seine Wohnungsprobleme mit Frankfurter Investoren lösen kann. Wie sieht es mit der Belegung der Wohnungen aus? Kommen sie den Offenbachern zugute?

Ein Rückblick: Als die Pläne der ABG 2013 konkret wurden, auf dem früheren MAN-Roland-Gelände 178 Mietwohnungen, darunter 50 Sozialwohnungen, zu errichten, brach in Offenbach ein heftiger Streit aus. CDU und FDP kritisierten, einkommensschwache Frankfurter würden nach Offenbach übersiedeln und damit den Sozialetat zusätzlich belasten.

Gemeinsam mit den Republikanern lehnten sie das Wohnprojekt ab und stimmten gegen eine entsprechende Vorlage. Sie ließen sich auch durch Zusagen von ABG-Geschäftsführer Frank Junker nicht umstimmen, der immer wieder betont hatte, auf eine „harmonische Mischung und eine sozialverträgliche Belegung“ zu achten“. Junker teilte auf Anfrage mit, für die Belegung von 32 geförderten Wohnungen habe Frankfurt das Vorschlagsrecht, von 18 die Stadt Offenbach. „Final entscheidet aber die ABG“, stellte er klar. Was das konkret bedeutet, beantwortete Junker nicht.

2017 zogen die ersten Mieter in die ABG-Wohnungen ein. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt bei 9,80 Euro je Quadratmeter, die der geförderten Mietwohnungen bei 5,50 Euro. Die Belegung habe problemlos funktioniert, sagt Junker. Tatsächlich ist Kritik am möglichen Zuzug Frankfurter Hilfeempfänger nicht mehr zu hören.

Offensichtlich hat die ABG aber auch aus Fehlern der Vergangenheit gelernt, als Kommunen wie Maintal, Niederdorfelden, Bad Soden oder Unterliederbach schlechte Erfahrungen mit dem Unternehmen bei der Belegung von Sozialwohnungen gemacht hatten. Die ABG achtet heute wohl auf eine gute soziale Mischung.

Vor der Bebauung auf dem Industrieareal hatte die ABG im ehemaligen Offenbacher Hafen 178 Wohnungen gebaut, allerdings keine geförderten. Das war jedoch eine Offenbacher Entscheidung gewesen. Die Politik wollte dort bewusst hochpreisigen Wohnraum für einkommensstarke Menschen entwickeln.

Die Nassauische Heimstätte stellte 2017 in Hafennähe 125 Wohnungen fertig, geförderte waren auch dort nicht darunter. Es war das erste Projekt seit Jahren in Offenbach, „da die Stadt lange Zeit keinen geförderten Wohnungsbau haben wollte“, antwortete NH-Sprecher Frederic Lang auf Anfrage. Nach seinen Angaben hat die Unternehmensgruppe 2939 Wohnungen in Offenbach, davon seien knapp 900 öffentlich gefördert.

Im Goethequartier an der Grenze zum Kaiserlei baut die NH 327 Wohnungen, darunter 83 geförderte. Die Mieten der geförderten Wohnungen sollen zwischen 6,70 und 8,50 Euro liegen, für die freifinanzierten bei 11 bis 12 Euro.

Lang zufolge müssen Bewerber für die 83  Sozialwohnungen einen Wohnberechtigungsschein vorlegen. 53 geförderte Wohnungen stünden Menschen mit mittlerem und 30 Leuten mit geringem Einkommen zur Verfügung.

Offenbachs Stadtplanerin Marion Rüber-Steins sagte, die 83 Wohnungen seien für Offenbacher gedacht. Dies gilt aber nur theoretisch. Denn das Wohnungsamt vergebe zwar die Wohnberechtigungsscheine, es praktiziere aber keine gezielte Belegung. Die Wohnungssuchenden müssten also selbst aktiv werden. Rüber-Steins weist darauf hin, dass sich auf die geförderten Wohnungen Menschen aus ganz Hessen bewerben könnten, sofern sie einen Wohnberechtigungsschein hätten. Auch Lang betont, dass die Entscheidung, wer in die Wohnungen einziehen darf, grundsätzlich beim Eigentümer, also der Nassauischen Heimstätte, liege.

Lesen Sie weitere Berichte aus Offenbach   Zur Startseite
Schlagworte