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Nicht immer geht es am Mainufer so entspannt zu.
Frankfurt
Rhein-Main

Mainufer: Fußgänger und Radfahrer auf Kollisionskurs

Von Manuel Schubert
19:49

Auf dem Weg, der am nördlichen Mainufer Westhafen-Tower und Eisernen Steg verbindet, können sich Fußgänger und Radfahrer schon mal in die Quere kommen. Bei beiden Gruppen ist er gleichermaßen beliebt – morgens für den Weg zur Arbeit, nachmittags und abends zum Spazierengehen oder Sporttreiben.

Um das Kollisionspotenzial zu mildern, will die SPD-Fraktion im Ortsbeirat 1 den anderthalb Kilometer langen Weg in Fußgänger- und Radfahrerspur aufteilen. Ein entsprechender Antrag wurde in der Sitzung am Dienstagabend kontrovers diskutiert – vorerst ohne Ergebnis.

In der Begründung der SPD heißt es, einigermaßen dramatisch: „Ein angstfreies Schlendern, insbesondere mit kleinen Kindern, ist bei der derzeitigen Mischnutzung nicht möglich.“ Die Mitglieder des Ortsbeirats waren sich einig, dass hier in der Tat Handlungsbedarf bestehe. Doch im Zuge der Diskussion kamen Zweifel auf, ob eine Aufteilung des Wegs wirklich die Lösung aller Probleme ist. Am Ende ließ die SPD-Fraktionsvorsitzende Anna Pause den Antrag zurückstellen. Bevor der Ortsbeirat am 18. September das nächste Mal zusammenkommt, soll das Thema nun in der interfraktionellen Sitzung, bei der sich die Fraktionschefs fernab der Öffentlichkeit zusammensetzen, erörtert werden.

„Einfach eine Linie hinzumalen, wird das Problem nicht lösen“, mahnte Grünen-Fraktionsvorsitzender Andreas Laeuen. Der Radverkehr sei „zu schnell und zu dicht“, daher halte er eine Aufteilung für „nicht sinnvoll“. Seine Fraktionskollegin Anna Warnke vermutete gar: „Wenn man den Weg trennt, beschleunigt sich der Radverkehr, weil die Radfahrer darauf bestehen, ihn auch zu nutzen.“ Eine derartige Separierung sei daher „in der modernen Verkehrsplanung oft nicht mehr vorgesehen“.

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Weber kritisierte den Antrag. „Der Weg ist nicht so breit. Wenn man ihn aufteilt in Fußgängerspur und zwei Fahrradspuren, bleibt nicht mehr viel übrig.“ Er gab außerdem zu bedenken, dass man eventuell gezwungen sei, den Weg zu verbreitern und Grünflächen zu vernichten. „Wenn man wirklich was für die Fußgänger tun will, muss man den Weg für Radfahrer sperren“, so Weber.

Dieser Gedanke ist gar nicht so abwegig. Im Sommer 2019 wird das nördliche Mainufer ein Jahr lang testweise für Autofahrer geschlossen. Eine Gelegenheit, den Radverkehr komplett auf den Untermainkai zu verlagern – und weg vom Mainufer, wie Laeuen vorschlug. CDU-Mann Weber empfahl den Radfahrern, jetzt schon auf den Untermainkai auszuweichen. „Es gibt oben einen schönen Radweg“, sagte er, „man muss maximal zwei Ampeln überwinden.“ Fakt ist jedoch, dass viele Zweiradnutzer das Flussufer bevorzugen. Weil die Aussicht schöner ist und auch weil sie, salopp gesagt, hier die Stärkeren sind – und oben, auf der Straße, die Schwächeren.

Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt, hält gar nichts davon, den Weg am Mainufer zu unterteilen. „Das Geld kann man sich sparen“, sagte er der FR. „Ich halte das nicht für sinnvoll. Solche massiven Konflikte gibt es da nicht.“ Eine Trennung führe meistens ohnehin nicht zum gewünschten Erfolg, bei schlechtem Wetter – wenn Laub oder Schnee den Boden bedecken – hielten sich die Fußgänger nicht mehr an die Markierungen.

Sobald der Untermainkai autofrei ist, wäre der ADFC aber damit einverstanden, den Radverkehr von den Fußgängern zu trennen. Für die Gegenwart rät Giebeler: „Ich würde mich nicht verrückt machen. Rücksichtnahme ist angesagt.“

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