© Christoph Boeckheler, FR
Sie sollen Fahrgästen zügig in den Zug helfen: Einstiegslotsen im Frankfurter Hauptbahnhof. Christoph Boeckheler
Pilotprojekt in Frankfurt
Rhein-Main

Lotsen sollen Pünktlichkeit verbessern

Von Florian Leclerc
06:56

Eigentlich ein schöner Moment. Ein Fahrgast rennt zur Bahn, deren Tür sich gerade schließt, ein anderer Fahrgast hält den Arm dazwischen, so dass der Mann noch hineinspringen kann. Ein Blick, ein Lächeln. „Danke.“ „Gern geschehen.“ Frankfurter können so nett sein.

Das ist die eine Perspektive. Die andere nehmen drei Männer von der Deutschen Bahn und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ein, als sie ein Pilotprojekt vorstellen. Drei Monate lang kontrollieren sogenannte Einstiegslotsen die vorderen Türen an Regionalzügen, damit kein Fahrgast in den Zug gelangt, wenn der losfahren soll. Die Lotsen stehen in der Hauptverkehrszeit von 15 bis 19 Uhr am Kopfbahnsteig des Hauptbahnhofs, wo Regios nach Fulda, Biblis, Dillenburg fahren.

„Die Abfahrtpünktlichkeit ist eine ganz entscheidende“, sagt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Wenn ein Zug zu spät losfahre, setze sich die Verzögerung auf der gesamten Strecke fort. „Was hier am Hauptbahnhof passiert, hat Auswirkungen auf das gesamte Netz“, sagt Frank Klingenhöfer, der Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio Mitte. Den Fuß in die Tür stellen - das wirke sich aus wie am Flughafen, „wenn der Slot weg ist, ist er weg“.

RMV will die Pünktlichkeit verbessern

„Um die Unpünktlichkeit zu beheben, gibt es nicht den einen großen Hebel, den man umlegen kann“, bedauert Oliver Terhaag, Vorstand Produktion bei DB Regio. Aber die Unpünktlichkeit, die beim Losfahren entstehe, sollten die Lotsen nun vermeiden.

Der RMV hatte sich zuletzt vorgenommen, die Pünktlichkeit zu verbessern. Bei den S-Bahnen waren 2017 nur 92 Prozent der Züge pünktlich, das heißt, sie waren weniger als sechs Minuten zu spät. Der RMV hatte sich 96 Prozent bei pünktlichen S-Bahnen als Ziel gesetzt. Daher gebe es bei den S-Bahnen die Lotsen schon seit knapp einem Jahr; S-Bahnen könnten dadurch sechs Sekunden schneller abfahren, sagt Ringat. „Nun rechnen Sie mal, was das bei 900 Abfahrten am Tag ausmacht.“ 6 mal 900 Sekunden gleich 5400 Sekunden, das macht 90 Minuten.

Unpünktlichkeit könne eine ganze Reihe von Gründen haben, erklärt auch Ringat - wenn die Fahrstraße belegt sei, technische Probleme aufträten. Am zu späten Losfahren alleine liege es natürlich nicht. Aber „Eisenbahn ist ein Stück weit militärisch, es muss von Anfang an funktionieren“, sagt Klingenhöfer.

Omar Mainia Bouamama sieht nicht militärisch aus. Der 23-Jährige studiert Mechatronik. Einstiegslotse ist sein Studentenjob. Nun steht er am Frankfurter Hauptbahnhof, Gleis 5, und würde verhindern, falls jemand in den Regionalzug RE50 Richtung Hanau einsteigen wollte, denn der will nun abfahren. Aber kein Fahrgast drängt sich hinein. „Die meisten Rückmeldungen der Fahrgäste sind positiv“, sagt der Lotse.

Für die unschönen Momente sei er geschult.

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