© Renate Hoyer, FR
Eine Wand soll den Baustellenlärm abschirmen.
Riederwaldtunnel
Rhein-Main

Lückenschluss zieht mehr Autos an in Frankfurt

Von Jutta Rippegather
21:11

Am Anfang spricht Friedhelm Ardelt-Theeck über Grundsätzliches. Dass er und seine Mitstreiter sich nicht vorwerfen ließen, das Projekt verhindern zu wollen. Dass sie es gewesen wären, die mehr Lärmschutz erkämpft hätten. Und dass Hessen Mobil Schuld trage an dem Vertrauensverlust in die Verwaltung. Bürgerrechte müssten gestärkt, nicht geschwächt werden, fordert Adelt-Theek. Und kommt schließlich auf Bitte von Verhandlungsleiterin Christine von Knebel zum eigentlichen Thema, um das es am Dienstag im Saalbau Griesheim geht: die Verkehrsprognosen.

Es ist Tag zwei der Erörterung im Planänderungsverfahren für den Riederwaldtunnel, dem umstrittenen Lückenschluss zwischen A66 und A661 im Osten Frankfurts. Zahlreiche Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Stellen sind beim Regierungspräsidium Darmstadt eingegangen, das die Anhörung leitet. Knapp 700 Einwendungen von Privatleuten. Am Dienstagmorgen sind nicht einmal 20 von ihnen erschienen. Am Vormittag führt hauptsächlich Friedhelm Ardelt-Theeck das Wort. Von zwei Einwender hat er eine Vollmacht, sagt er. Agiere hier außerdem als Sprecher der Bürgervereinigung Nordend, die wiederum Mitglied des Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn ist. Das sammelt derzeit Geld für ein Gutachten, um im Fall eines Planänderungsbeschlusses gegen das Vorhaben zu klagen.

Doch so weit ist es längst noch nicht. Bis Donnerstag, falls notwendig auch bis Freitag, läuft die Erörterung, bei der die Einwender ihre Kritik vortragen können. Ihnen gegenüber sitzen Mitarbeiter der Landesbehörde Hessen Mobil und von ihr beauftragte Unternehmen, rechts die RP-Vertreter als Moderatoren, ganz links haben sich die Experten des hessischen Verkehrsministeriums platziert, die später die Entscheidungen treffen, wie und was gebaut wird.

Das ProjektDer Plan

Der 1100-Meter-Tunnel soll die Lücke zwischen den Autobahnen 66 und 661 schließen. Er soll die Bewohner in Bornheim und Riederwald entlasten, wo sich täglich rund 24 000 Autos stauen. Die achtjährigen Bauarbeiten sollen im Jahr 2020 beginnen.

Das ProjektDie Diskussion

Das umstrittene Vorhaben wird seit 1985 diskutiert, der Planfeststellungsbeschluss von 2007 wurde mehrfach ergänzt. Die Behörde Hessen Mobil hat ein Planänderungsverfahren beantragt. Die Erörterung im Saalbau Griesheim (ab 9.30 Uhr) endet, je nach Bedarf, Donnerstag oder Freitag. jur 

Eins wird am Dienstagvormittag deutlich: Der Lückenschluss wird mehr Verkehr anziehen. Zu den derzeit 120 000 Fahrzeugen am Tag kommen rund 80 000 weitere, heißt es. Hinter dem Lenkrad sitzen Leute, die angesichts der guten Verkehrsanbindung lieber in Frankfurt einkaufen, als in Hanau. Die vom Zug aufs Auto umsteigen oder derzeit auf Schleichwegen oder Umwegen zur Arbeit pendeln. Den Berechnungen zufolge ist der Durchgangsverkehr gering. 90 Prozent der Fahrzeuge hätten das Ziel Frankfurt beziehungsweise Flughafen. Ob die geplante Nordmainische S-Bahn nicht die Prognosezahlen nach unten drücken werde, will Verhandlungsleiterin von Knebel wissen. Die Expertin von Hessen Mobil schüttelt den Kopf: „Die Reisezeit spricht dagegen.“

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