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Die Stadt will den Radverkehr auf der Friedberger Landstraße zwischen Matthias-Beltz-Platz und Anlagenring erleichtern.
Verkehr in Frankfurt
Rhein-Main

Fahrspur auf Friedberger Landstraße fällt weg

Von Florian Leclerc
14:31

Auf der Friedberger Landstraße soll eine Strecke von knapp einem Kilometer zwischen Matthias-Beltz-Platz und Friedberger Tor fahrradfreundlicher werden: Die rechte Fahrspur soll zugunsten des Radverkehrs wegfallen. Das löst unterschiedliche Reaktion aus.

„Wieder mal typisch Frankfurt. Man tut alles, um einen wie auch immer gearteten Verkehrsfluss zu verhindern“, kommentiert ein Nutzer auf Facebook. Ein Zweiter schreibt: Weit mehr als 1000 Kilogramm Blech und Plastik in Bewegung zu setzen, um damit einen Menschen zu transportieren, sei „einfach Unsinn“. Es sei aber klar, „dass ein paar Streifen noch keine neue Verkehrspolitik sind“, schreibt ein Dritter. Und ein Vierter: „Was für ein Schwachsinn.“

Gesamtnutzen steht über Autofahrerinteressen 

Kaum etwas regt Autofahrer mehr auf, als wenn eine Fahrspur verschwinden soll - das ist Stefan Lüdecke bewusst. Der Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sagt trotzdem: „Es war ein langgehegter Wunsch des Ortsbeirats, die Friedberger Landstraße fahrradfreundlicher zu machen, und der Magistrat ist bereit, diesen Weg zu gehen.“

Das Straßenverkehrsamt habe sich lange mit dem Thema beschäftigt. Man sei zu einem Schluss gekommen - der auch in der Stellungnahme des Magistrats nachzulesen ist: „Die für den motorisierten Individualverkehr einhergehenden Einschränkungen der Leistungsfähigkeit sind nach Einschätzung des Magistrats in der Abwägung zum Gesamtnutzen verhältnismäßig.“ 

Die Einschätzung teilt die CDU-Fraktion im Römer nicht. Auf den Fahrspuren würden nicht nur Autos und Lastwagen, sondern auch die Tramlinien 12 und 18 und die Buslinie 30 fahren - sie müssten nach dem Wegfall einer Spur im Stau stehen, befürchtet Martin Daum, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. „Wir fordern den Verkehrsdezernenten auf, alle Planungen in dieser Richtung unverzüglich zu stoppen.“ Oesterling soll eine Lösung erarbeiten, wie Radfahrer abseits der Friedberger Landstraße durchs Nordend geführt werden könnten.

Hauptverkehrsstraße in Frankfurt

Die Friedberger Landstraße ist eine der Hauptverkehrsstraßen in Frankfurt. Innerhalb von 24 Stunden sind nach Angaben der hessischen Straßenbehörde Hessen Mobil 39.800 Fahrzeuge (Stand 2015) auf der Straße unterwegs - mehr sind es mit 51.000 Fahrzeugen nur auf der Hanauer Landstraße.

Die Verkehrsbelastung auf der Friedberger Landstraße führt regelmäßig zur Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2). Um die Einhaltung der Grenzwerte zu erreichen, klagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) derzeit vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden gegen Frankfurt. Am 5. September wird die Klage verhandelt. Oesterling rechnet damit, dass das Gericht Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge verhängen wird - etwa auf der Friedberger Landstraße.

Bei Stickoxid beträgt der zulässige Durchschnittswert im Jahr 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auf der Friedberger Landstraße wurden 2017 47 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Stickstoffdioxid wird für die Reizung der Atemwege und eine erhöhte Asthmahäufigkeit bei Kindern verantwortlich gemacht.

Maßnahme auch gegen Fahrverbot 

Der geplante Rückbau der Friedberger Landstraße von zwei Spuren auf eine überbreite Spur auf der Kilometer-Strecke kann als Schritt der Stadt verstanden werden, die Verkehrsbelastung und damit die überhöhten Stickoxidwerte zu senken - dann wäre ein mögliches Fahrverbot vielleicht nur temporär nötig. Einen Zeithorizont für den Umbau der Straße konnte Lüdecke nicht nennen. Nach der Diskussion im Ortsbeirat beginne nun die Planungsarbeit. Dem Ortsbeirat würden die Pläne vorgestellt, wenn sie fertig seien.

„Wenn man größer denkt, und den tödlichen Unfall auf der Kurt-Schumacher-Straße einbezieht, könnte man sich auch vorstellen, die Friedberger Landstraße zu einer Achse für den Radverkehr zu machen“, sagte Lüdecke weiter.

Am 3. August war ein Radfahrer auf der Kurt-Schumacher-Straße tödlich verunglückt. Stadtrat Oesterling hatte eine Nachbesserung der Unfallstelle in Aussicht gestellt. Die Unfallkommission soll sich damit befassen.

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