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Einfach mal ausruhen - in der Bleidenstraße.
Verkehr in Frankfurt
Rhein-Main

Parkplätze besetzen

Von Florian Leclerc
21:45

Parkplätze sind dafür gedacht, dass Fahrzeuge darauf parken - könnte man meinen. Am 21. und 22. September ist zwar nicht Karneval, aber trotzdem verkehrte Welt. Die Menschen machen mit den Parkplätzen einfach, was sie wollen.

Fahrrad abstellen. Decke ausrollen. Sitzkissen hinlegen. Yoga üben. Picknick verspsien. Bier trinken. Bis die Polizei kommt.

Am Park(ing) Day in Frankfurt beteiligen sich unter anderem der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, der BUND Frankfurt, die Initiative Radentscheid Frankfurt - und viele ehrenamtliche Helfer.

Die Tradition stammt aus den Vereinigten Staaten. 2005 kam eine Künstlergruppe in San Francisco auf die Idee, Parkplätze für die Menschen zurückzuerobern und zum temporären Park-Platz zu machen.

Am Freitag, 21. September, ist der Park(ing) Day in Städten weltweit. Erstmals will die Initiative Stadtsalon teilnehmen, um Parkplätze im Bahnhofsviertel umzuwidmen. Am Samstag, 22. September, geht es weiter auf der Töngesgasse in der Innenstadt, unter Anleitung von VCD, ADFC, BUND, Greenpeace, Transition Town Frankfurt, Radentscheid, Fuß e.V., Sachen auf Rädern, Klimattac und Matemobil.

„Mit dem Park(ing) Day zeigen wir, dass ein Parkplatz in eine wertvolle Fläche verwandelt werden kann, die Raum für die unterschiedlichsten Nutzungen schafft und die Stadt für alle ein Stück lebenswerter macht“, heißt es in der Ankündigung.

Legal ist das Besetzen der Parkplätze  nicht

Und weiter: „Unsere Stadt wächst und immer mehr Autos kommen in die Stadt. 80 Prozent der Parkplätze liegen im öffentlichen Raum. Dadurch entgeht den Bewohner*innen eine große Fläche. Ein Auto belegt etwa zwölf Quadratmeter Fläche. Diese ist damit größer als viele Kinderzimmer. Und jedes Auto braucht davon mindestens zwei, am Start und am Ziel.“

Legal ist das Besetzen der Parkplätze allerdings nicht. Ein öffentlicher Parkplatz ist ja zum Abstellen von Fahrzeugen gedacht. Um eine Lese-Ecke einzurichten, bräuchte es eine behördliche Genehmigung: Parkschein ziehen reicht nicht aus. Dass das Straßenbauamt eine Ausnahmegenehmigung erteilt, ist aber äußerst unwahrscheinlich.

Die Aktivisten setzen also auf zivilen Ungehorsam. Damit wollen sie - zumindest temporär - einen Wandel in der Gesellschaft herbeizuführen, weg von der autozentrierten, hin zur lebenswerten Stadt.

Das Risiko, eine Buße zu bekommen, gilt als gering, solange die Aktivisten freundlich auf die Aufforderung der Polizei zum Räumen des Parkplatzes reagieren. Falls die Polizei kommt.

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