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Ein ähnliches E-Lastenrad können Radfahrer vielleicht bald in Hessen ausleihen.
Verkehrswende
Rhein-Main

Lastenräder per App mieten

Von Jutta Rippegather
14:20

Tobias Lochen ist leidenschaftlicher Radfahrer. „Ich habe nicht mal einen Führerschein.“ Doch die Leihräder in Deutschlands Städten seien schlecht und unbequem. „Da kann ich gleich mein altes Hollandfahrrad nehme.“ Seine Alternative ist ein per App buchbares, elektronisch unterstütztes Lastenrad, mit dem der Städter den Nachwuchs in der Kita abliefert, Einkäufe erledigt und es dann an die Leihstation zurückstellt: „E-Cargo-Bike-Sharing“ heißt das Angebot, für das der 32 Jahre alte Gründer ein Start-up namens Sigo gegründet hat. Den Sitz seiner Firma hat der Jungunternehmer ins House of Logistic und Mobility (Holm) am Frankfurter Flughafen verlegt. Irgendwo in Südhessen soll das Angebot auch starten, wo genau, mag er nicht verraten. „Hoffentlich noch in diesem Jahr.“

Der Zugang zu Verkehrsmitteln muss einfach sein. Und es muss Spaß machen, sie zu nutzen. Wie ein roter Faden zieht sich am Mittwoch die Botschaft durch die Vorträge beim 14. hessischen Mobilitätskongress im Holm. Wer Radfahren nicht mag, kann vielleicht mit einem E-Scooter zum Umsteigen bewegt werden. Die öffentlichen Verkehrsunternehmen wollen ihr Angebot ausbauen, weil keiner gerne wie eine Büchsensardine morgens mit dem Zug zur Arbeit fahren mag.

Es geht um Busse, die nicht zu starren Zeiten fahren, sondern flexibel auf Anforderung. Um einfache Wegeketten mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln. Vor allem geht es darum, dass Digitalisierung neue Mobilitätsangebote schaffen kann, die am Ende die Lebensqualität verbessern.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ist sich sicher, dass die Menschen die zugeparkten Städte satt haben: „In der Bevölkerung gibt es einen Wunsch nach mehr Platz.“ Sie würden ungeduldig. Digitalisierung sei der „Schlüssel zur neuen Mobilitätswelt“. Und Hessen sei hier schon recht weit: Der RMV etwa mit dem Handyticket oder E-Ticket. Die Stadt Offenbach, wo man direkt an der S-Bahn-Station Marktplatz E-Bikes oder -Autos ausleihen kann. Auf den Autobahnen gebe es die digitalen Anlagen zur Streckenbeeinflussung und Seitenstreifenfreigabe oder auch die autonom fahrende Absperrtafel.

Erst die Handy-Apps mit Echtzeitinformationen und vielen Wahlmöglichkeiten ermöglichten eine bequeme und flexible Nutzung verschiedener Verkehrsmittel. „Diese Chancen wollen wir nutzen.“ Eine Verkehrswende sei nötig, um die Lebensgrundlagen zu erhalten. Die Zeit dränge: „Der Dürresommer 2018 zeigt uns, wie eilig das ist.“ Unterdes gehen die Bemühungen in der Heimatstadt des Ministers weiter. Offenbach zeigt beim Mobilitätskongress am Mittwoch Präsenz. Neun Kilometer Radfahrstraßen sollen dort in den nächsten beiden Jahren entstehen. „Das geht alles noch recht analog“, sagt Projektmanager Ulrich Lemke. Anschließend würde er sich gerne mit dem Thema Parken beschäftigen. Am Stand des Regionalverbands sind Bilder von Abstellboxen zu sehen, die per App reservierbar sind. Darin wäre auch das teure Rennrad sicher.

Und damit macht Radeln nun einfach mehr Spaß. Apropos Spaß: Den hatten am Mittwoch besonders jene Teilnehmer, die mit dem Auto zum Holm angereist waren. Das Parkhaus war voll. Nur wenig besser erging es den Fahrradfahrern: Sichere Abstellanlagen sind vor dem Holm noch immer nicht zu finden.

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