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Große Freude: Schlappekicker-Vorsitzender Arnd Festerling und Schirmherr Charly Körbel überreichen Rainer Weiss, Jakob Berthoud und Luis Engelhardt (von links) den Schlappekicker-Preis. Rechts der Gastgeber im Kaisersaal, Oberbürgermeister Peter Feldmann.
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Große Bühne für ein Gudesding

Von Christian Stör
16:01

Am Sonntag standen sie noch auf dem Rasen, kämpften, ackerten und rackerten – und behielten am Ende mit 4:1 beim FFC Victoria die Oberhand. Am Montagabend waren die Fußballer des FC Gudesding dann auf einer ganz anderen Bühne zu Gast. Im geschichtsträchtigen Kaisersaal des Frankfurter Römers nahmen sie den Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau entgegen – und reihten sich damit in eine lange Liste von Vereinen ein, die in den vergangenen 20 Jahren die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung erhalten haben.

Eines ist allen Gewinnern seit 1998 gemeinsam: Sie nehmen in herausragender Weise ihre gesellschaftliche Vorbildfunktion wahr. Bestes Beispiel dafür ist der 20. Preisträger, der FC Gudesding. Im Fußball heiße es oft, die Wahrheit liege auf dem Platz, sagte der Vorsitzende Rainer Weiss in seiner Dankesrede: „Bei uns liegt die Wahrheit auch neben dem Platz.“ Anfang 2012 von einer „sympathischen Horde junger Männer“ (Weiss) gegründet, ist der Frankfurter Kreisligist vielfältig aktiv: Der Verein setzt sich für geflüchtete Menschen ein, initiiert demnächst den zweiten Spieltag gegen Antisemitismus und unterstützt eine Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt.

Start der SammlungDer Schlappekicker bedankt sich

Der Schlappekicker hat auch im 67. Jahr seines Bestehens viele Freunde und Förderer. Der Start der Weihnachtssammlung kann sich jedenfalls sehen lassen. Ganz besonders freut sich der Schlappekicker in diesem Jahr über die Summe von 5000 Euro, die die Eintracht Frankfurt Fußball AG dem Verein gespendet hat. Wir bedanken uns hiermit ganz herzlich bei all denen, die für diesen guten Zweck Geld gespendet haben.

Start der SammlungSpenden

Peter Rhein (Frankfurt) 50,00 Euro; Eva-Luise Fischer (Frankfurt) 200,00; Volker Daßbach-Beruer (Obeursel) 50,00; Walter Schröder (Hattersheim) 30,00; Reinhard Ackermann (Wetzlar) 30,00; Markus Hannig (Osnabrück) 30,00; Astrid Freese-Rosenboom (Franfurt) 300,00; Peter Weckesser (Dreieich) 100,00; Hermann Nuber (Offenbach) 20,00; Bernhard Riggers (Hamburg) 150,00; Thomas Kalkert (Bad Soden) 100,00; Heinz Kemmann (Niedernhausen) 150,00; Edith und Herbert Dörenberg (Frankfurt) 200,00; Ronald Borchers (Heusenstamm) 100,00; Klaus Fischer (Hattersheim) 120,00; Nobert Neuhaus (Hattersheim) 200,00; Renate und Hans-Georg Fritz (Frankfurt) 225,00; Klaus Gerster (Bad Homburg) 250,00; Joachim Krusch 100,00; Lothar Schmitt (Frankfurt) 200,00; Frankfurter Volksbank 750,00, Eintracht Frankfurt Fußball AG 5000,00.

Ein Programm, das auch der Schlappekicker-Vorsitzende Arnd Festerling in seiner Laudatio entsprechend würdigte: „Der FC Gudesding trägt sein Programm im Namen“, sagte der FR-Chefredakteur: „Der Verein formuliert nicht nur seinen Anspruch, sondern lebt ihn auch.“ Gutes zu tun, gehört für die Guden aus dem Ostpark in der Tat zum Alltag, Toleranz, Respekt und Fair Play liegt ihnen allen sehr am Herzen. Alles Dinge, die Gudesding zu einem idealen Kandidaten für den Schlappekicker-Preis gemacht haben, wie in seiner Begrüßungsrede auch Oberbürgermeister Peter Feldmann darlegte, der beide, die Schlappekicker-Aktion und den FC Gudesding, als „typisch frankfurterisch“ bezeichnete und beiden gleichzeitig dankte: „Es ist wunderbar, was Sie hier machen.“

Wunderbar war auch die Stimmung im Kaisersaal. Mehr als 120 Gäste waren gekommen, Dieter Stinka und Friedel Lutz von der 59er-Meistermannschaft der Eintracht waren ebenso vor Ort wie Schlappekicker-Schirmherr Karl-Heinz Körbel und Fechtolympiasiegerin Cornelia Hanisch. Auch Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic, sein AG-Vorstandskollge Axel Hellmann, und Vereinspräsident Peter Fischer waren zugegen – und derart von der Arbeit des FC Gudesding angetan, dass sie die Mannschaft spontan zu einem Spiel der Eintracht einluden. Die Begeisterung bei dem Klub, der sich von Beginn an „als Kind dieser Stadt verstanden hat“ (Weiss), war entsprechend groß, zumal 90 Prozent der Vereinsmitglieder SGE-Fans sind. Dass auch ein Bayern-Fan, Schalke- und Köln-Anhänger bei Gudesding vertreten seien, so witzelten manche, erscheine da fast schon rätselhaft - ist aber nicht weiter schlimm: Gudesding lebt ja das Miteinander wie kaum ein zweiter Klub, oder, wie es Weiss formulierte: „Unser Verein beruht auf dem Prinzip Freundschaft.“

Einer der engsten Freunde konnte allerdings nicht zugegen sein, denn Victor Steinbrück liegt nach einem Unfall seit drei Jahren im Koma. Im Herzen aber war der Pressesprecher auch am Montag mit dabei: Die Spieler hatten ihm zu Ehren das Trikot mit der Nummer 12 mitgebracht, Steinbrück ist nämlich stets der zwölfte Mann auf dem Platz. Schmerzlich vermisst wurden auch andere Freunde des Schlappekickers. Hans Lankes, der so viel Geld gesammelt hat wie wohl kein Zweiter, ist in diesem Jahr ebenso verstorben wie Gert Trinklein, Wolfgang Solz, Heinz Wulf und Christel Müller, die seit 1987 vom Schlappekicker unterstützt wurde und jede Veranstaltung des Schlappekickers mit ihrem Lächeln bereichert hat.

Sicher hätte sie sich auch über den FC Gudesding als Preisträger sehr gefreut. Rainer Weiss nannte die Auszeichnung „einen Meilenstein“ in der jungen Geschichte des 2012 gegründeten Klubs. Doch im Grunde war der Preis nur ein erster Schritt. „Der Verein muss wachsen“, sagte Weiss: „Wir wollen junge Menschen ansprechen und sie an ihre gesellschaftliche Verantwortung heranführen.“ Die gude Arbeit wird im Ostpark also auch in den kommenden Jahren weitergehen – auf dem Platz, vor allem aber auch neben dem Platz.

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