© Monika Müller, FR
Echte Schlappekicker: Die Traditionsmannschaft der Eintracht (schwarze Trikots) und ihre Herausforderer von Radio FFH und der Frankfurter Rundschau.
Schlappekicker
FR-Service

Mit links in den Winkel

Von Manuel Schubert
08:20

Selbst am Morgen hatte Karl-Heinz Körbel noch Überzeugungsarbeit geleistet. Auf der Geschäftsstelle der Frankfurter Eintracht war ihm Sportvorstand Fredi Bobic in die Arme gelaufen. Ein kurzer Plausch, ein bisschen gut Zureden, und am Ende schnürte Bobic am Abend tatsächlich auf dem Sportplatz in Gronau die Kickstiefel für die Eintracht-Traditionsmannschaft. „Eigentlich“, sagte Körbel, „hat er ja momentan genug andere Sorgen.“ Aber wenn der Bundesliga-Rekordspieler ruft, dann kommen sie eben alle.

Und so geriet das Benefizspiel der Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau am Mittwoch zu einem regelrechten Schaulaufen der Eintracht-Legenden. Borchers, Binz, Schur, Preuß, Bindewald, Nachtweih, Sippel, Komljenovic und viele mehr – alle waren sie gekommen. Das Tor hütete nach dem Wechsel Philip Holzer, Sohn des früheren FR-Chefredakteurs Werner Holzer und heutiger Eintracht-Aufsichtsrat, die Halbzeitanalyse übernahm Dragoslav Stepanovic.

Der Gegner in Gronau, eine Auswahl von Radio FFH und Frankfurter Rundschau, war bei so viel Qualität natürlich chancenlos, am Ende verloren die Journalisten 3:10. Doch das Ergebnis war an diesem Abend zweitrangig, im Vordergrund stand die gute Sache. Für jede von den rührigen Organisatoren des SV Gronau verkaufte Rindswurst und jedes ausgeschenkte Bier ging ein Euro in die Schlappekicker-Kasse, ebenso die Einnahmen aus Verlosung und Elfmeterschießen. Für 30 Euro konnten die Zuschauer vom Punkt gegen Eintracht-Torwart Hansi Steinle antreten, manche trafen sogar.

„Das war ein Benefizspiel, wie man es sich vorstellt“, fand Körbel, der auch als Schirmherr des Schlappekicker fungiert und dessen Traditionself nur selten in einer derart hochkarätigen Besetzung auf dem Platz steht wie am Mittwoch. „Dass die komplette Elite dabei war, zeigt die Wertigkeit des Schlappekicker und dass wir das gerne unterstützen“, sagte Körbel.

So sahen die rund 600 Zuschauer bei herrlichem Sonnenschein ein durchaus unterhaltsames Fußballspiel, auch, weil sich die Journalisten wacker schlugen. „Wir spielen oft gegen Mannschaften, die sich einfach nur hinten rein stellen, aber sie haben es gut gemacht“, lobte Körbel. Trotzdem gaben sich die Adlerträger mit ihrer geballten Erfahrung aus über 2000 Bundesligaspielen keine Blöße. Körbel dirigierte die Abwehr routiniert, Borchers kommandierte das Mittelfeld („Wenn du Zeit hast, spiel mal den Ball rüber“), Bindewald gewann mit fast 50 Jahren noch jeden Zweikampf. Sehenswert auch Bobics Kopfball zum 5:2, bei dem der 46-Jährige eine ganze Etage höher sprang als all seine Gegenspieler, oder Ervin Skelas Tor zum 6:2 nach einem flotten Dribbling.

Das schönste Tor des Abends erzielten aber die Underdogs: Mit links traf Nico Bach zum 1:2 genau in den Winkel – da staunten selbst die Eintracht-Recken. Vielleicht könnte es daran gelegen haben, dass Bach eigentlich gar kein Journalist ist. Der Mann arbeitet bei der Deutschen Bahn und ist der Kumpel eines Planet-Radio-Moderators. Gefreut hat er sich trotzdem: „Dass der Ball so reingeht – ein super Gefühl.“

Ein erfreulicher Tag war es auch aus Sicht des Schlappekicker. Insgesamt wurden 3500 Euro für den guten Zweck gesammelt. „Es war ein super Abend“, bilanzierte der stellvertretende Vorsitzende Harald Stenger: „Ob Spieler oder Zuschauer, alle hatten ihren Spaß.“

  Zur Startseite