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Preisträger 2002: Harald Seehausen und die SG Bornheim.
SG Bornheim Grün-Weiß
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Schlappekicker sorgt für Initialzündung

Von Christian Stör
10:07

Bei der SG Bornheim Grün-Weiß geht es immer hoch her. Insgesamt 25 Fußballteams sind im Frankfurter Osten derzeit aktiv, darunter allein 20 Jugendmannschaften – und auch auf dem Platz läuft es gut: In der Gruppenliga Frankfurt-West belegen die Bornheimer derzeit den vierten Platz. Doch die SG Bornheim bietet sehr viel mehr als nur Sport. Die Verknüpfung von Fußball und gesellschaftlichem Engagement ist in der Tat äußerst beeindruckend. So ist die SG Bornheim Grün-Weiß als einziger Verein bisher bereits zweimal mit dem Schlappekicker-Preis der Frankfurter Rundschau ausgezeichnet worden, 2002 und 2016.

Im Mittelpunkt des Angebots steht dabei seit längerer Zeit das Kinder- und Familienzentrum (Kifaz), das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. Die Idee für ein solches „Haus der Zukunft“ war schon im Jahr 2002 von Jugendlichen während einer Sportreise nach Barcelona entwickelt worden. Worum es ihnen dabei ging, wird in dem Leitsatz aus dem Jahr 2004 deutlich: „Einen Ort schaffen, der sich als Treffpunkt sämtlicher Generationen und Kulturen auszeichnet. Ein Haus bauen, in dem sich die Kinder und Jugendlichen wohlfühlen, wo Erwachsene sich treffen und miteinander austauschen. Ein Ort, wo aktuelle Fragen des Sports, der Freizeit, des Spiels und des Familienalltags aufgegriffen werden und entsprechende Angebote für neue soziale Aktivitäten zur Verfügung stehen.“

Unterstützung von Löw

Ein solches Zentrum zu bauen, kostet natürlich enorm viel Geld. Auch wenn die 3000 Euro, die der Verein von der Schlappekicker-Aktion als Preisträger 2002 für seine vorbildliche Jugendarbeit erhielt, nur einen geringen Teil der Gesamtkosten decken konnten, war diese Summe für den Klub dennoch von ganz besonderer Bedeutung, wie der damalige Jugendleiter und heutige Kifaz-Sprecher Harald Seehausen, darlegt: „Das war für uns eine ganz wichtige Zuwendung – nicht allein aus materieller, vor allem auch aus psychologischer Sicht.“ 

Der Schlappekicker-Preis war also so etwas wie die Initialzündung, die die Bornheimer in ihren ambitionierten Plänen bestärkte. Seehausen, der einst als 18-Jähriger bei der Reserve von Eintracht Frankfurt die Fußballstiefel geschnürt hat, entwickelte eine Spendeninitiative, die Anfang 2007 schließlich zur Eröffnung der Einrichtung führte. Eine besonders schöne Anerkennung erhielt der Verein vom Deutschen Fußball-Bund: Dass das damalige Trainerteam um Jürgen Klinsmann und Joachim Löw auf dem Sportplatz der SG Bornheim vor der Fußball-WM 2006 zu einer Pressekonferenz einlud und sich die Nationalspieler am Kauf von Spendenbausteinen beteiligten, brachte dem Klub erhöhte Aufmerksamkeit.

Getragen wird das „Haus der Zukunft“ von den Mitgliedern des Vereins, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz dafür sorgen, das die Bornheimer verschiedenste Projekte in die Tat umsetzen können: Außer einem Bildungs- und Betreuungsangebot für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren gibt es auch eine ganzjährige flexible Ferienbetreuung sowie ein interkulturelles Familien Sportcafé. Aber ganz besonders am Herzen liegt dem Verein die Integration von jungen Geflüchteten. Grenzen zu überwinden, ist natürlich nicht leicht – auch in Bornheim, wo knapp 420 Jugendliche aus 53 Herkunftsländern aktiv sind. „Da muss viel Bildungsarbeit geleistet werden“, so Seehausen. Doch in Bornheim stellen sich alle jeden Tag aufs Neue dieser schweren Aufgabe, Macher und Betreuer, Eltern und Spieler. 

Dass allerdings nicht jede Utopie verwirklicht werden kann, muss ab und zu auch die SG Bornheim erfahren. Da die finanzielle Grundlage fehlt, musste der Plan für eine „Sport-Kita“ vorerst auf Eis gelegt werden. Ein kleiner Rückschlag, von dem Seehausen sich aber nicht kleinkriegen lässt: „Man muss den Mut haben, nach vorne zu gucken.“ Ein Motto, das heute genauso gilt wie vor 15 Jahren, als die Bornheimer mit dem Schlappekicker-Preisgeld den Grundstock für das Kinder- und Familienzentrum legen konnten. 

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