© afp, FR
Eintracht Frankfurt mit Losglück.
Eintracht Frankfurt
Sport

Ausgesperrt in Marseille

Von Thomas Kilchenstein
16:55

Das hat die Freude über die Europapokal-Auslosung dann doch ein wenig getrübt. Ausgerechnet im ersten Spiel muss Eintracht Frankfurt beim französischen Vertreter Olympique Marseille antreten - und dieses Spiel muss wegen einer Uefa-Sperre unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Ausgerechnet die so reiselustigen Frankfurter, die locker 12 000 Fans nach Bordeaux auf die Beine bringen, müssen am 20. September in die Röhre gucken. Halb Frankfurt gierte nach Tickets und darf nun nicht reisen.

Dessen ungeachtet hat Eintracht Frankfurt eine „knackige, aber interessante Gruppe“ erwischt, wie Trainer Adi Hütter in einer ersten Reaktion auf die zugelosten Gegner Lazio Rom, Olympique Marseille und Apollon Limassol sagte. Andere sprachen von einer Hammergruppe. Die Gegner dürften es schwierig machen, die Vorgabe von Eintracht-Vorstand Fredi Bobic in die Tat umzusetzen.

Bobic hatte vor Monaten gesagt, man wolle „durch die Gruppe marschieren“: Da kannte er freilich die Gegner noch nicht. Jetzt urteilte Bobic anders: „Wir haben eine sehr anspruchsvolle Gruppe zugelost bekommen mit großen Hürden. Da werden wir alles reinlegen müssen, um unser Ziel, die Zwischenrunde, zu erreichen.“ Lazio Rom sei ein Team, das sich in Europa bestens auskenne, sagte der Eintracht-Boss.

Für Adi Hütter sind die Italiener, im vergangenen Jahr haarscharf an der Champions League-Qualifikation gescheitert, der Topfavorit in dieser Gruppe. Marseille „ist eine bärenstarke Mannschaft, ein absolutes Spitzenteam im Land des Weltmeisters“, sagte Bobic. Immerhin unterlag Olympique in diesem Jahr erst im Europa-League-Finale Atletico Madrid mit 0:3. Auch der neue, alte Frankfurter Torwart Kevin Trapp, der nach drei Jahren bei Paris Saint-Germain die Südfranzosen aus dem Effeff kennt, lobte das Team vom Mittelmeer: „Ich weiß, wie schwer es ist, dort zu spielen.“ Regelmäßig spiele die Mannschaft, aktuell nach vier Spieltagen allerdings nur Neunter, in Frankreich oben mit, sagte der Nationaltorhüter. „Das ist ein toller Gegner.“

Aus dem Topf mit den weniger prominenten Teams hat die Eintracht Apollon Limassol bekommen, „den unbequemsten Gegner aus Topf vier“, wie Bobic sagte. Allemal seien Teams aus Zypern schwer zu bespielen. Die Hessen haben eigentlich gute Erfahrungen mit Teams von der Insel im Mittelmeer getan. 2013 siegten die Frankfurter 3:0 gegen Apoel Nikosia. Von damals stehen jetzt noch Trapp, Felix Wiedwald und Marco Russ im Kader.

Heimspiele fast ausverkauft

Aus reisetechnischer Sicht hätte es Eintracht Frankfurt kaum besser treffen können. Strapaziöse Reisen in den Osten Europas sind der Eintracht erspart geblieben. Als „tolle Destinationen“ empfand Trainer Hütter die Paarungen. Marketing-Vorstand Axel Hellmann pflichtete bei: „Wir haben tolle Ziele. Alle drei Spielorte sind für die Fans super. Sportlich ist es durchaus ambitioniert, anspruchsvoll und eine tolle Herausforderung. Wir haben uns Europa gewünscht, und jetzt haben wir Europa auf höchstem Niveau. Die Herausforderung werden wir annehmen. Wir freuen uns.“

Die drei Heimspiele der Frankfurter sind weitgehend ausverkauft. Dass ein Stadion nahezu ausverkauft ist, obwohl weder Gegner noch Zeitpunkt festgestanden hätten, habe es in der Geschichte dieses Wettbewerbs noch nicht gegeben, hatte Hellmann dieser Tage gesagt. Es gebe lediglich ein Tageskartenkontingent ausschließlich für Mitglieder.

Unterdessen trifft RB Leipzig in der Gruppe B pikanterweise auf den kleinen Bruder Red Bull Salzburg. Manche sehen das Aufeinandertreffen zweier Teams, die vom selben Geldgeber gesteuert werden, kritisch. Laut Reglement dürften beide europäisch nicht gegeneinander spielen. Die Uefa freilich sieht darin keinen Verstoß.

  Zur Startseite
Schlagworte