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Der Star der Fans: Stürmer Niklas Füllkrug.
Hannover 96
Sport

Hannover will an die vergangene Saison anknüpfen

Von Simon Berninger
20:27

Nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga vor einem Jahr hat Hannover 96 den Klassenerhalt souverän gemeistert. Nun gilt es, den Platz in der ersten Liga zu sichern. Im Idealfall ist das natürlich ein besserer als Platz 13 im Vorjahr – die Roten im FR-Check-Up.

Wie ist die Stimmung?
Es sieht so aus, als machten die 96-Fans bei der kommenden Saison gute Miene zum – für sie – bösen Spiel ihres Präsidenten Martin Kind, der den Klub zum Ärger, vor allem der Ultras, übernehmen will. Dafür will der millionenschwere Hörgeräte-Unternehmer nach einer zu erwartenden Niederlage vor dem DFB-Schiedsgericht am Frankfurter Landgericht gegen die DFL-Ablehnung seines Antrags auf Ausnahme von der 50+1-Regel angehen. In der vergangenen Saison quittierten die Fans das Vorhaben ihres Klubchefs mit einem Stimmungsboykott, auf den Bannern hieß es: „Keine Stimmung ohne Mitbestimmung“, denn „96 gehört uns allen“. Nun verständigten sich die Fans darauf, nicht mehr das Team abzustrafen. Dummerweise haben die Niedersachsen lediglich ein Heimspiel in den ersten vier Partien. Und dann ist das erste Spiel auch noch in Bremen, wo 96 zuletzt eine satte 0:4-Pleite kassierte. Gut möglich, in der Tabelle gleich wieder nach unten zu rutschen – mitsamt der Stimmung.

KaderZugänge

Bobby Wood (Hamburger SV, Leihe), Walace (Hamburger SV), Genki Haraguchi (Hertha BSC, zuvor an Fortuna Düsseldorf verliehen), Kevin Wimmer (Stoke City, Leihe), Takuma Asano (FC Arsenal, Leihe), Josip Elez (HNK Rijeka, nach Leihe fest verpflichtet), Leo Weinkauf (FC Bayern München II), Linton Maina (eigene Jugend), Mike-Steven Bähre (SV Meppen, Leihe beendet), Uffe Bech (SpVgg Greuther Fürth, Leihe beendet), Babacar Gueye (VV St. Truiden, Leihe beendet), Fabian Senninger (SV Meppen, Leihe beendet)

KaderAbgänge

Jonathas (Corinthians Sao Paulo, Leihe),Manuel Schmiedebach (1. FC Union Berlin, Leihe), Florian Hübner (1. FC Union Berlin), Sebastian Maier (VfL Bochum), Martin Harnik (SV Werder Bremen), Kenan Karaman (Fortuna Düsseldorf), Elias Huth (1. FC Kaiserslautern, nach Leihe), Charlison Benschop (FC Ingolstadt), Salif Sane (FC Schalke 04), Felix Klaus (VfL Wolfsburg), Marius Wolf (Eintracht Frankfurt, nach Leihe fest verpflichtet).

Wie stark ist der Kader?
Gleich neun Spieler haben den Roten im Sommer den Rücken gekehrt, vor allem die Abgänge von Felix Klaus (VfL Wolfsburg), Martin Harnik (Werder Bremen) und vor allem Abwehrchef Salif Sané (FC Schalke 04) schmerzen. Prominenteste Neuzugänge sind ausgerechnet zwei Profis vom Absteiger Hamburger SV: Mittelfeldabräumer Walace und Angreifer Bobby Wood sollen am Maschsee deutlich bessere Leistungen zeigen als an der Elbe, sonst sind beide keine Hilfe. Skepsis ist angebracht. Trainer André Breitenreiter hält seinen Kader nach einem halben Dutzend Neuzugängen für zu knapp besetzt „Weil in der Breite auf jeden Fall noch Handlungsbedarf besteht. Man sieht, dass wir keine Ausfälle verkraften können.“ Ein weiterer Verteidiger und noch ein Offensivspieler stehen auf der Wunschliste.

Worauf steht der Trainer?
Als André Breitenreiter vor anderthalb Jahren mitten in der heißen Zweitligaphase übernahm, musste er für den „alternativlosen“ Wiederaufstieg sorgen. Breitenreiter sieht das nicht als „seinen Verdienst“ an, aber der Anteil des 44-Jährigen an der sorgenfreien Vorsaison ist unbestritten. Sein Credo: „Meine Spieler sollen und dürfen Fehler machen. Sonst sind sie auch nicht mutig.“ Seine Ausrichtung: „Variabilität war in der vergangenen Saison unser großes Plus. Das wollen wir fortsetzen, gepaart mit noch mehr Qualität in unseren Automatismen.“ Dass er sich an der Leine wohlfühlt, ist unbestritten, aber der Langenhagener hat das erste Angebot zur Vertragsverlängerung platzen lassen.

Wo hapert’s noch?
Fraglich, ob Walace mit Neuzugang Kevin Wimmer, der als Leihgabe von den Stoke City kam, wirklich zur Defensivstütze wird. Ebenso ungewiss, ob Wood, den Trainer Breitenreiter „wegen seiner extrem mannschaftsdienlichen Spielweise uns seiner großen Laufbereitschaft“ haben wollte, eine Hilfe für die Offensive sein kann. Im Sturm ist zwar auch Neuzugang Takuma Asano ein potenzieller Hoffnungsträger, allerdings ist fraglich, ob er sofort funktioniert. Und dann sind da ja noch die atmosphärischen Störungen zwischen dem Trainer und Sportdirektor Horst Heldt, über die Vereinsangestellte im Trainingslager hinter vorgehaltener Hand getuschelt haben. Dazu passt, dass Heldt den Kader anders als Breitenreiter schon jetzt für „absolut konkurrenzfähig“ hält.

Wer sticht heraus?
Nicht nur auf dem Spielfeld, auch bei den Fans ist Niclas Füllkrug der Star. Nach dem ersten Training brauchte der Torjäger fast eine Dreiviertelstunde für den Weg in die Kabine. Der 25-Jährige besaß mit seinen 14 Toren einen großen Anteil am Klassenverbleib. Klar, dass die Konkurrenz aufmerksam wurde. Doch den Avancen von Borussia Mönchengladbach widerstanden der Verein und der Spieler, der aus Hannover kommt. „Die Reise hier ist noch nicht zu Ende“, sagte „Fülle“ zu seinem Verbleib. „Und jeder, der mich kennt, weiß, dass er keine Bedenken haben muss, dass sich künftig daran etwas ändert.“

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Auf FR-Anfrage nichts – Transparenz sieht anders aus. Sicher ist indessen, dass es für den Klub finanziell unabdingbar war, dass die Roten im den Wiederaufstieg geschafft haben. Der Stammverein ist aktuell durch den Neubau seines Vereinszentrums belastet, wofür ein Kredit von sechs Millionen Euro aufgenommen wurde. Kind will mit dem Wegfall der 50+1-Regel die wirtschaftliche Schlagkraft erhöhen. Entsprechend hofft der 96-Chef auf eine „wichtige Weichenstellung, um den Einstieg neuer Geldgeber, die dies als nachvollziehbare Bedingung für ein größeres finanzielles Engagement ansehen, möglich zu machen“.

Was ist drin?
In der Vorsaison erwies sich 96 als schwer zu bespielender Gegner, profitierte immens von einem sehr guten Start. Aber es gibt keine Gewähr, dass die stabilen Auftritte die Regel bleiben. Für den Klassenerhalt sollte die Qualität des Kaders im Zusammenspiel mit dem ehrgeizigen Trainer reichen, auch wenn es bis auf Füllkrug und Waldemar Anton zu wenig Spieler gibt, die beim Fan die Fantasie nach Weiterentwicklung anregen.

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