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Ganz oben auf der Peinlichkeitsskala: Neymar.
Kommentar zum Bundesligastart
Sport

Schämt euch, ihr Schauspieler!

Von Ingo Durstewitz
07:46

Es ist gewiss nicht so, dass sich Jörg Radek als neues Gewissen der Fußballbranche profilieren will. Der Mann ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, und er hat sich nun zu Wort gemeldet, weil er eine anstrengende und gefährliche Bundesligaspielzeit für die Einsatzkräfte erwartet. Zur Verdeutlichung: In der Saison 2016/17 waren die Beamten rund 2,24 Millionen Stunden rund um die Spiele im Einsatz. 

Radek glaubt auch, dass die Profis selbst eine Verantwortung tragen, ihnen müsse klar sein, dass sie sich unter dem Brennglas der Öffentlichkeit befänden und vor allem Kindern als Vorbilder dienten. Das teils an schlechtes Boulevardtheater erinnernde Verhalten mancher Spieler auf dem Platz schüre Aggressionen auf den Rängen. „Fairness ist keine hohle Phrase, sondern eine Grundvoraussetzung für echten Wettkampf.“ Er hat recht. 

Heute, da die 56. Spielzeit eröffnet wird, ist es an der Zeit, einen Appell loszuwerden, der sehr wahrscheinlich unerhört verklingen wird, aber doch artikuliert werden sollte. Also, liebe Fußballprofis: Bitte benehmt euch doch einfach mal wie ehrenwerte Sportler. Das ist gar nicht so schwer. Will sagen: hinfallen, wenn man sich nicht mehr auf den Beinen halten kann, und nicht hinfallen, wenn man denkt, es sei eine ganz gute Gelegenheit, um Elfer, Freistoß oder eine 
Rote Karte herauszuholen. Diese Schwalben, diese Fallsucht, dieses Täuschen – es ist unerträglich. Eine Unsitte, die ins Theater gehört, aber nicht auf den Fußballplatz. Und es ist, davon mal abgesehen, auch noch dämlich, weil die Fußballwelt ja gläsern ist und das Spiel von unzähligen Kameras eingefangen wird. Auf der nach oben offenen Peinlichkeitsskala ist Neymar klar an die Spitze geklettert, doch es gibt genügend Nachahmer. Schämt euch. 

Das gilt auch für das ständige Lamentieren und Reklamieren. Es ist eine Unart, dass jede Entscheidung des Schiedsrichters kommentiert und wortreich begleitet, dass bei jedem Einwurf auf Höhe der Mittellinie protestiert wird und dass sich bei jedem Allerweltsfoul ein wildes Rudel um den Referee bildet. Es ist an den Schiris härter durchzugreifen: Ermahnung, Verwarnung, Hinausstellung. Fertig, aus. 

Es ist an den Trainern und Sportdirektoren, ihren Fußballern die Leviten zu lesen und einen Verhaltenskodex aufzustellen. Im Milliardenspiel mag das manch einer für naiv halten, aber ist es wirklich professionell und erstrebenswert, sich einen Vorteil zu ergaunern? Oder ist es nicht eher dreist und zu verachten? 

Und es ist am Fan, die eigenen Spieler zu maßregeln, wenn sie sich mit durchsichtiger Schauspielerei hervortun. Einfach mal auspfeifen, den billigen Mimen, selbst wenn er die eigenen Farben trägt. Wird aber wohl eher nicht passieren. Schade eigentlich. 

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