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Ordnungshüter im Schalker Mittelfeld: Der Ex-Frankfurter Omar Mascarell hat sich in Gelsenkirchen gut akklimatisiert.
Schalke 04
Sport

Maximaler Minimalismus auf Schalke

Von Daniel Schmitt
09:31

Der FC Schalke 04 schloss die vergangene Saison auf dem zweiten Platz ab – ein Erfolg, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war. Denn es gab vorher eigentlich zu viele Unwägbarkeiten. Wie läuft es ohne Urgestein Benedikt Höwedes? Und wie mit dem Grünschnabel Domenico Tedesco als Coach? Antwort: hervorragend. Ein Jahr später gehen die Gelsenkirchener entsprechend entspannt und zuversichtlich in die Saison. Ein ähnlicher Erfolg ist nicht unwahrscheinlich.

Wie ist die Stimmung?
Während sich die Mannschaft aktuell im österreichischen Mittersill auf die Saison vorbereitet, könnte die Stimmung kaum besser sein. Es wird gescherzt, gelacht und fleißig geschuftet. Die Mannschaft ist personell komplett, Trainer Domenico Tedesco kann daher seine Spieler gezielt auf die Dreifachbelastung Liga, Pokal und Champions League vorbereiten. „Die Vorfreude auf die Champions League ist riesengroß“, sagte Stürmer Guido Burgstaller: „Es ist das Größte, was man im Klubfußball erreichen kann.“ Im Trainingslager ist auch Amine Harit dabei. Das ist deshalb hervorzuheben, weil der Marokkaner im Urlaub nach der WM in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt war. Beim zweiten Problemfall herrscht seit Kurzem endlich Klarheit: Urgestein Benedikt Höwedes wird die Knappen ziemlich sicher in Richtung Lokomotive Moskau verlassen. Der Transfer nach Russland steht kurz vor dem Abschluss.

Wie stark ist der Kader?
Schwächer dürften die Schalker trotz der namhaften Abgänge von Leon Goretzka und Max Meyer nicht geworden sein. Manager Christian Heidel hat ziemlich früh ziemlich gute Arbeit geleistet und im Gegensatz zu vielen Konkurrenten vor allem in Deutschland zugeschlagen. Salif Sane (Hannover 96) für die Abwehr, Suat Serdar (Mainz 05) und Omar Mascarell (Eintracht Frankfurt) fürs Mittelfeld, Mark Uth (1899 Hoffenheim) und Steven Skrzybski (Union Berlin) für den Sturm. In der Breite hat der Schalker Kader an Qualität zugelegt.

Worauf steht der Trainer?
Im bevorzugten 3-5-2-System lautet die oberste Prämisse von Trainer Tedesco: hinten dicht. In der vergangenen Saison gelang das den Gelsenkirchener ziemlich gut, nur Meister Bayern München und der VfB Stuttgart kassierten weniger Gegentore. Oft entschieden die Königsblauen ihre Spiele durch Standardsituationen für sich. 26 Tore fielen nach ruhenden Bällen, besser war in dieser Kategorie niemand. Und künftig? Dürfte sich daran kaum etwas ändern. Die Schalker werden von ihrem Minimalismus nicht abrücken, war er doch fast maximal erfolgreich. Zumal gerade die Abwehrhünen Naldo (1,98 Meter), Salif Sane (1,94) und Matjia Nastasic (1,88) einige Kopfballtore erwarten lassen.

Wo hapert’s noch?
Bisher stand hauptsächlich Konditionsarbeit auf dem Trainingsplan. Entsprechend mäßig waren die Ergebnisse. „Wir haben nicht sonderlich viel im taktischen Bereich gemacht, da müssen wir nun konzentriert arbeiten“, sagte Trainer Tedesco. Größte Baustelle: die Offensive. Dort haben die Schalker zwar reichlich Auswahl, ein Torjäger der Spitzenklasse fehlt jedoch. Der Schweizer Nationalspieler Breel Embolo und der Ukrainer Yevhen Konoplyanka sind eher Tempodribbler, die gerne aus der Tiefe kommen, aber selten treffen. Der Österreicher Guido Burgstaller ist ein Wühler, seine elf Saisontore lassen die Gegner ebenfalls nicht vor Ehrfurcht erstarren. So ruhen die Hoffnungen auf Neuzugang Uth – trifft der Ex-Hoffenheimer stabil, kann aus einer aktuellen Problemzone schnell ein künftiges Prunkstück werden.

Wer sticht heraus?
Nicht nur körperlich ist Naldo einer der größten Spieler, auch leistungsmäßig kam im vergangenen Spieljahr kaum ein Bundesligakicker an ihn heran. Vom Fußballmagazin „11 Freunde“ wurde der 35-jährige Verteidiger nach einer bärenstarken Runde gar zum Spieler der Saison gekürt. Naldo ist Anführer auf und neben dem Platz, ein starker Zweikämpfer und auch vor dem gegnerischen Kasten immer gefährlich. „Man müsste ihm ein Denkmal setzen“, sagte Heidel.

TransfersZugänge

Omar Mascarell (Eintracht Frankfurt), Steven Skrzybski (1. FC Union Berlin), Suat Serdar (Mainz 05), Salif Sane (Hannover 96), Mark Uth (TSG 1899 Hoffenheim), Donis Avdijaj (Roda Kerkrade, Leihe beendet), Johannes Geis (FC Sevilla, Leihe beendet) Benedikt Höwedes (Juventus Turin, Leihe beendet), Haji Wright (SV Sandhausen, Leihe beendet)

TransfersAbgänge

Bernard Tekpetey (SC Paderborn), Lennart Czyborra (Heracles Almelo), Pablo Insua (SD Huesca, Leihe), Coke (UD Levante), Fabian Reese (Greuther Fürth, war zuvor schon nach Fürth ausgeliehen), Luke Hemmerich (Erzgebirge Aue, war an den VfL Bochum ausgeliehen), Max Meyer (unbekannt), Leon Goretzka (Bayern München), Marko Pjaca (Juventus Turin, Leihe beendet)

Wie geht’s dem Schatzmeister?
Auf den ersten Blick dürfte Peter Peters, der Herr der Zahlen, alles andere als zufrieden sein. Goretzka und Meyer verließen den Verein ablösefrei – sehr ärgerlich, mit solch talentierten Eigengewächsen keine Kasse zu machen. Einzig Höwedes, der Moskau rund fünf Millionen Euro kosten soll, und der Spanier Coke (1,5) stehen auf der Habenseite. Dem gegenüber summierten sich die Ausgaben bisher auf 31,5 Millionen Euro – am meisten kosteten der Mainzer Serdar (11) und der Frankfurter Mascarell (10). Doch der zweite Blick lohnt: Mit der Teilnahme an der Champions League fließen Millionen auf das Konto der Schalker, auch hatten Goretzka, Höwedes und Meyer gut dotierte Verträge, durch die künftig mehr als drei Spieler bezahlt werden können. Auch wird mit den Verkaufskandidaten Johannes Geis und Franco di Santo ein bisschen Geld zu erwirtschaften sein.

Was ist drin?
Tedesco will kein Ziel ausgeben. „Wir messen uns nicht in Tabellen“, sagte er. Weil die Schalker begabte Spieler verloren und eine Dreifachbelastung vor sich haben, reicht es diesmal nicht für Rang zwei. Die Königsklasse sollte dennoch drin sein.

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