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War im Sommer heiß begehrt: Der Römer Sergej Milinkovic-Savic (r.) im Duell mit Neapels Kalidou Koulibaly.
Lazio Rom
Sport

Die Auferstandenen

Von Timur Tinç
09:32

Vor knapp 18 Jahren war Lazio Rom auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte. Zum zweiten Mal nach 1974 italienischer Meister, Sieger des Europapokals der Pokalsieger – als letzter Klub, bevor die Uefa den Wettbewerb abschaffte – und kurz darauf Supercup-Sieger mit dem schwedischen Trainer Sven-Göran Eriksson: Die Zeit für den großen Angriff auf Juventus Turin und die Mailänder Klubs war gekommen. Doch dann machte der exzentrische Klubpräsident Sergio Cragnotti und Chef des Lebensmittelkonglomerats Cirio mehrere Fehler. Zunächst brachte er Lazio im Jahr 2000 an die Börse und kaufte für 108 Millionen Euro Spieler ein.

Doch der Erfolg auf der ganz großen europäischen Bühne blieb aus, und auch national sprang in den folgenden Jahren nicht mehr als Platz drei heraus. 2003 musste Cragnotti seinen Hut als Präsident nehmen, nachdem er die üppigen Spielergehälter nicht mehr zahlen konnte, weil sein Unternehmen Cirio an der Börse riesige Verluste machte. Die Topspieler verließen die Biancocelesti, die 2006 im Zuge der italienischen Spielmanipulationsaffäre um Juventus-Manager Luciano Moggi zunächst mit dem Zwangsabstieg bestraft wurde. Lazio legte allerdings erfolgreich Protest ein und bekam letztlich nur drei Punkte abgezogen.

Trotzdem versank der Klub lange im Mittelmaß. In der vergangenen Saison verspielte der sechsfache Pokalsieger am letzten Spieltag mit einer 2:3-Niederlage gegen Inter Mailand den vierten Platz und damit die Champions League. Trotz mehrerer Offerten im Sommer, unter anderem von Real Madrid (95 Millionen Euro), hat Lazio den serbischen Mittelfeldhünen Sergej Milinkovic-Savic (23) gehalten und seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Ein Zeichen an die Konkurrenz, das mit den Römern wieder zu rechnen ist. Aus dem Ensemble von Trainer Simone Inzaghi sticht der ehemalige Dortmunder Ciro Immobile heraus, der vergangene Saison Torschützenkönig der Serie A wurde.

Negativ auf sich aufmerksam machen die antisemitischen und frauenfeindlichen Hardcore-Anhänger aus der Curva Nord. Erst kürzlich wurde ein Flyer verteilt, indem es hieß, dass Frauen doch bitte nicht ganz vorne stehen sollen. Die Polizei ermittelt.

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