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Die Fans haben das DFB-Team dann wohl doch lieb.
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Nur ein Anfang

Von Frank Hellmann
16:19

Der sogenannten Metropolregion Rhein-Neckar macht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft übers Wochenende nur eine kurze Aufwartung. Erst am Samstag schwebt die Delegation von München in Mannheim ein, um dann zwei Nächte in Heidelberg zu verbringen. Dann steigt am Sonntagabend in Sinsheim das Länderspiel gegen Peru. Immerhin: Die Arena an der A6 mit ihren ohnehin nur knapp 25.500 Sitzplätzen ist ausverkauft, auch der zweite Teil der Wiedergutmachung nach dem WM-Desaster geht damit vor vollen Rängen über die Bühne.

Trotzdem ist Sinsheims Oberbürgermeister Jörg Albrecht nicht zufrieden und hat den DFB wegen der hohen Eintrittspreise für eine Partie kritisiert, bei der das Publikum wohl eher Kai Havertz statt Toni Kroos, Thilo Kehrer statt Jerome Boateng begutachtet. Und Peru ist nicht Frankreich. Trotzdem werden zwei Personen, so hat es der CDU-Politiker ausgerechnet, inklusive Bier und Bratwurst mal locker 200 Euro los. Der Preis für die Tickets – zwischen 25 und 80 Euro – sei schlicht zu hoch. Diese Ansicht kann man teilen. Ebenso die Kritik, warum bitte schön an einem Sonntagabend erst um 20.45 Uhr angestoßen wird.

Just am zweiten September-Montag beginnt in Baden-Württemberg die Schule wieder, und daher ist es für Kinder alles andere als dufte, dass dieses Länderspiel noch später als ein ARD-Tatort beginnt. Solche Anstoßzeiten sind also alles andere als volksnah und helfen nicht, wenn die nachwachsende Kundschaft mitgenommen werden soll. Albrecht vermisst also zu Recht einen Schritt auf die Menschen zu.

Trotzdem hat auch Thomas Müller nicht Unrecht, als der volksnahe Oberbayer im Brustton der Überzeugung nach dem 0:0 gegen Frankreich sagte: „Wir haben einen ersten Schritt auf die Fußball-Nation zu gemacht.“ Debatten um Eintrittspreise und Anstoßzeiten rücken in den Hintergrund, wenn die Darbietungen stimmen. Das Streben nach Wiedergutmachung war bei allen Protagonisten – angefangen von Torwart Manuel Neuer bis hin zu Bundestrainer Joachim Löw – mit jeder Körperfaser spürbar.

Es wäre wünschenswert, dass diese leidenschaftliche Grundhaltung in etwa beibehalten wird, wenn auch Testspiele wie nun gegen den WM-Teilnehmer Peru oder im November gegen den WM-Gastgeber Russland anstehen. Auch der Reformwille, sich ein bisschen vom Ballbesitzfußball früherer Prägung zu lösen und in einer kontrollierten Spielweise wieder Netz und doppelten Boden einzuziehen, ist grundsätzlich richtig.

Wenn ein Gebäude komplett einstürzt – und nichts anderes ist dem Kunstgebilde „Die Mannschaft“ bei der WM passiert –, fängt man am besten mit einem soliden Fundament an. Niemand soll denken, dass Kroos und Co. künftig nur noch Beton anrühren, dafür steckt immer noch zu viel fußballerische Begabung in dieser DFB-Auswahl. Dass diese sich beim Fußball-Volke umfassend rehabilitiert, dazu gehört freilich mehr als ein engagierter Auftritt wie gegen den abwartenden Weltmeister, der ganz sichtlich noch keine volle Spannung aufbauen konnte. Überschwang ist also fehl am Platze. Nur der Anfang ist gemacht.

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