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Fußball ist, wenn der Männerwitz wieder klar geht. Fans bei der WM (Symbolbild).
Fußball-WM
Sport

Fußball und Sexismus geht immer

Von Daniel Dillmann
14:08

Alle Jahre geht das so. So sicher ein Gottesdienst in der Kirche mit dem Amen der Gläubigen begleitet wird, so sicher flankieren Konzerne und Unternehmen die WM massiv mit Werbekampagnen. Und weil es so viele sind, muss man schon etwas ausgefallenes machen, möchte man in diesem Konzert noch so viel Aufmerksamkeit generieren, die sich im Kaufverhalten wiederspiegelt. Was Freches eben, ein bisschen provokant und vielleicht sogar grenzwertig. Der Kunde muss sich aber dennoch finden in der Kampagne, man muss ihn dort abholen, wo er steht, es muss Anknüpfungspunkte geben.

Zielsicher bringt das etliche deutsche Unternehmen auf dieselbe Idee: Fußball ist Männersache, wer Fußball liebt, der lacht auch über Männerwitze, und nationalistischer Chauvinismus bietet sich doch sowieso an, wenn Nationen um den Sieg kämpfen.

Den Anfang macht Dr. Oetker mit einer Werbung eine Woche vor der WM. Während die verkappten Krieger vorm Fernseher lümmeln, kann Frauchen ihrer Bestimmung nachkommen und den Mann glücklich machen. Also glücklich backen, „auch wenn er eine zweite Liebe hat“, wie die Marketing-Abteilung des Nahrungsmittelkonzerns mit Schwerpunkt Fertignahrung (ganz ohne Backen) bemerkt. Das muss Frau ihm verzeihen, Königin Fußball will ja auch geliebt werden.

Und verstanden werden. Das fällt Frauen bekanntlich besonders schwer, weil wegen Abseits. Der Bayerische Rundfunk hat zum WM-Start eine besonders pfiffige Idee, wie man Frauen das Mysterium der Regel 11 der DFB-Spielordnung näher bringen kann. Man muss den Frauen das mit Begriffen erklären, mit denen sie etwas anfangen können. Schuhe und Shoppen, neben Küche die natürlichen Umgebungen der Frau.

Eine Frau wirft also einer anderen ein Paar Schuhe zu, um so die Schlange an der Kasse zu überwinden. Die Kasse ist dann das Tor, die Schlange die Abwehr, die Schuhe der Ball. Die Kassiererin ist dann wohl der Torwart. Und schon kapiert das Weibchen, von was die Rede ist. Was sie allerdings mit dem Wissen in der Küche anfangen soll, die Antwort bleibt der BR schuldig. Den Tweet löscht er recht schleunig wieder, es sei „fußballerisch ein Blackout“ gewesen.

Hipster-Hornbach ist da schon eher harmlos

Fast schon harmlos wirkt dagegen Hornbach, die ihr Sortiment pünktlich zur WM um „Man Caves“ erweitern. Was sich dahinter verbirgt? Gartenhäuschen. Die sind in Zeiten von Genderwahn aber weit mehr als Abstellorte für Rasenmäher, Schneckenkraut und Biertischgarnitur. Die Höhlen sind „lichtdurchflutete“ Rückzugsorte für den Hipster-Mann von heute, in denen er wie schon sein Urururur-Großvater seinen Instinkten folgen und den Trieben freien Lauf lassen kann: nämlich „Fußball-Fernsehabend, die Schrauberei am Moped oder die Session mit der Band“.

Weil auch Zeitungen verkauft werden wollen, selbst in der Schweiz, hat ein Herr Rene Weber in seiner WM-Kolumne für die Zeitung „Südostschweiz“ gefragt, wo sie denn seien, „die schönen Olgas von der Wolga“. Er sei jetzt vor Ort, in Toljatti, aber entweder verstecken sich die ganzen russischen Schönheiten vor ihm oder es gibt sie eben gar nicht. Jedenfalls hat Weber noch keine zu Gesicht bekommen und darüber beschwert er sich ausführlich.

Was in der Schweiz funktioniert, das läuft auch im Saarland. Die Parallelen sind ja offensichtlich. Deshalb rät Kai Klankert Trainer Joachim Löw dazu, dem Beispiel der Mexikaner zu folgen und „eine kleine Sex-Party mit 30 Escort-Damen“ zu veranstalten. Denn, hihi, haha, „einen Fehlschuss gegen Schweden können wir uns nicht erlauben“. Klankert befürchtet aber, dass Löw das nicht machen wird. Also weder ihn, Klankert, aufstellen und damit sein anbiederndes „wir“ im Nachgang zu rechtfertigen, noch die Sache mit den Escort-Damen.

Zu guter Letzt ein Blick auf die Wurst, diesmal von Grillido, die selbsternannte „Wurst-Revolution“. Die erinnert an das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien. Mit einer Wurstpackung, die aus sieben weißen und einem braunen Würstchen besteht. „7 Deutschland-Würste treffen auf 1-Brasilien-Bratwürstchen“. Gemeinsam mit Fußball-Legende Mario Basler (wo auch immer der jetzt auf einmal herkommt) könne man so die Brasilianer erneut in die Pfanne hauen, sie braten und sich dabei gleichzeitig noch über ihre Hautfarbe lustig machen.

Weil das so plump ist, drängt es sich auf, mit einem Gedicht, entlehnt aus einem Lied der allseits beliebten Deutschpunk-Band Affenmesserkampf, zu enden:

Das Boot ist nicht voll,
aber dafür deine Hose.
Nur arme Würstchen sind noch stolz
auf ihre Würstchendose.

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