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Saba Bolaghi (rechts) darf noch auf Olympia hoffen.
Olympia-Aus für das Ringen
Sport

„Ringen muss sexy werden“

19:36

Saba Bolaghis Leidenschaft ist das  Raufen nach Regeln, wie der 23-Jährige  das Ringen gerne nennt.  Seine Familie stammt aus dem Iran, doch Bolaghi, der in Frankfurt geboren wurde und lebt, startet für Deutschland. 2009 wurde er Junioren-Weltmeister. Zwei Jahre später gewann der Pädagogikstudent mit der doppelten Staatsbürgerschaft   eine Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Dortmund. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London verpasste der Freistil-Spezialist, der in der Bundesliga für die RWG Mömbris-Königshofen auf die Matte geht, nach einer Knieverletzung.

 

Wie haben Sie von der Entscheidung der IOC-Exekutive erfahren,  Ringen nach 2016 aus dem olympischen Programm zu werfen?

Von einem Kumpel, der gar nichts mit dem Sport zu tun hat. Er hat es im Internet gelesen, und ich habe es erst gar nicht geglaubt. Als ich es dann nachgelesen habe, ist mir beinahe das Herz stehen geblieben. 

Kam es so unerwartet für Sie?

Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Nachträglich habe ich dann gehört, dass das 2004 schon mal im Gespräch gewesen sein soll.

Können Sie sich  das Urteil erklären?

Ich persönlich bin schon lange der Meinung, dass die Verantwortlichen etwas unternehmen müssten, um Ringen in der Präsentation und für die Medien attraktiver zu machen. Der Sport lebt zwar von seiner Tradition, aber das bedeutet ja nicht, dass man stehen bleiben muss. In Deutschland ist Ringen Randsport, aber 1000 Kilometer östlich von hier hat es eine ganz andere Bedeutung. Bei den letzten Olympischen Spielen haben acht Nationen als Fahnenträger Ringer gewählt. In Asien interessieren sich Millionen Menschen dafür.

Was könnte man ändern?

Ringen muss sexy werden. So wie bei Mixed Martial Arts (MMA), Wettbewerben mit mehreren Kampfsporttechniken. Da werden die Kämpfe mehr als Show präsentiert. 

In der Bundesliga wird das mit Lichteffekten und professioneller Moderation auch schon getan.

Das ist vom Ansatz her der richtige Weg. Meistens erreicht man aber nur das Publikum, das sowieso da wäre. Es geht aber darum, Leute zum Ringen zu bringen, die sich erst mal nicht so dafür interessieren. Ringen muss raus aus der regionalen Ecke.

Glauben Sie, dass der Weltverband jetzt aufwachen und sich bemühen wird, in diese Richtung zu steuern?

Ich bete darum. Wenn nicht jetzt, wann dann? Das drohende Aus ist ein Signal, das man nicht überhören kann  und nicht überhören darf. Es ist sogar eine Chance, denn noch nie hat Ringen so viel Aufmerksamkeit bekommen wie jetzt.

Wie würde sich ein Abschied aus dem olympischen Programm auf die hiesigen Vereine auswirken?

Die Vereine in Deutschland kämpfen sowieso schon ums Überleben. Wenn ihnen  noch die finanzielle Unterstützung entzogen wird, würde ihnen das sehr schaden.

Was würde das Olympia-Aus nach 2016 für Sie persönlich bedeuten?

Vorerst ändert sich mein Ziel nicht. Aber ich werde härter denn je daran arbeiten, 2016 nach Rio zu fahren. Was danach passiert, kann ich noch nicht sagen.  Vielleicht orientiere ich mich in Richtung MMA. Aber dazu ist die Nachricht noch zu frisch.

Würde das traditionelle Ringen aussterben?

Ich denke, es könnte sich ähnlich entwickeln wie das Boxen. Es könnten neue Verbände entstehen, die es mehr als Show präsentieren. Und vielleicht fließt dann sogar mehr Geld; beim Boxen werden ja auch Millionen investiert. Aussterben würde es nicht, es ist ja auch fester Bestandteil von MMA. 

Doch es würde vermutlich an Nachwuchs mangeln.

Nachwuchs gibt es im Ringen jetzt schon wenig. Aber weil die Sportart eigentlich cool ist und Spaß macht, würde es weiter  welchen  geben. Besonders leid tun mir aber die Jungs, die jetzt zwölf, 13 sind und deren olympischer Traum vielleicht platzt.

Das Interview führte Katja Sturm

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