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Ansprache im Kreis: Trainer Niko Arnautis hat erst diese Woche seine Mannschaft vom 1.FFC Frankfurt komplett.
FFC Frankfurt
Sport

Freche Wundertüte FFC

Von Paul Schönwetter
08:03

Bereits zum 14. Mal fand die Saisoneröffnungsveranstaltung des 1. FFC Frankfurt im 49. Stock eines Frankfurter Bankenturmes statt. Höhen, die mittlerweile keineswegs mehr den sportlichen Gefilden entsprechen, in denen sich der reine Frauenfußballverein bewegt. So realistisch sind mittlerweile auch die Verantwortlichen beim FFC. Man will sich entwickeln, jede einzelne, aber auch als Team: „Wir haben viel Talent, aber auch etablierte, erfahrene Spielerinnen“, sagte Trainer Niko Arnautis. Noch nie hatte sich der FFC so klar der Talentförderung verschrieben wie vor dieser Spielzeit, in der die Hessen erstmals ohne deutsche A-Nationalspielerin antreten, obwohl Manager und Investor Siegfried Dietrich immer noch einen Etat von 1,5 Millionen Euro aufbringt. Der Altersschnitt aller 24 Spielerinnen liegt bei 21,3 Jahren. Damit gehört man zu einer der jüngsten Mannschaften der Liga, und stellt die jüngste in der FFC-Historie überhaupt.

Sinnbildlich auf diesem Weg die Auszeichnung am Sonntag in Heidelberg von Tanja Pawollek und Sophia Kleinherne mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold beziehungsweise Silber. Beleg, dass der FFC einige vielversprechende Talente hat. „Wir sind in der Jugend eher besser denn schlechter als die Männerlizenzvereine aufgestellt“, sagte Dietrich.

Zudem merkt man, dass im Gegensatz zur chaotischen Kaderplanung vor einem Jahr unter Matt Ross, der jetzige Trainer Niko Arnautis eine genaue Vorstellung seiner Spielidee hat. Arnautis führte mit allen Spielerinnen in der Vorbereitung Gespräche. In der zweiten DFB-Pokalrunde gegen den FSV Hessen Wetzlar (1:0) standen mit den österreichischen Nationalspielerinnen Verena Aschauer und Laura Feiersinger, der deutschen U20-Nationalspielerin Laura Freigang und Géraldine Reuteler gleich vier der sechs Neuzugänge in der Startelf. Gerade die Schweizer Stürmerin Reuteler gilt als großes Talent. Die EM-Fahrerin 2017 wurde erst kürzlich von ihrer Noch-Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg in höchsten Tönen gelobt. Allerdings konnte die 19-Jährige auch nicht verhindern, dass ihr Team die Direktqualifikation für die WM „vermasselte“, wie sie sagte. Ebenfalls aus der Schweiz kam Marilena Widmer nach Frankfurt. Im Mittelfeld wird die niederländische Europameisterin Jackie Groenen in ihrer letzten FFC-Saison die Fäden führen.

Durch die zerrissene Vorbereitung wird das Team spielerisch aber noch Zeit brauchen, was am Sonntag in Wetzlar deutlich wurde. Dass der FFC nicht um die Teilnahme der Women’s Champions League mitspielen kann, scheint klar. Im DFB-Pokal, wo es im Achtelfinale gegen Zweitligist Saarbrücken geht, ist das Erreichen des Viertelfinals Pflicht. Um die Weiterentwicklung der jungen Spielerinnen nicht zu gefährden, ruft man keine Platzierung als Ziel aus. Nur: Nach Platz sechs will man sich etwas nach oben orientieren, Arnautis sagt lediglich: „Wir müssen uns eingewöhnen und können erst im Winter etwas zu der Tabellenregion sagen.“

Am Sonntag nach Wolfsburg

Bei all dem realistischen Optimismus, den die Verantwortlichen versprühen, könnte das Auftaktprogramm sehr schwierig werden. Gleich am Sonntag reist der FFC zum VfL Wolfsburg (14 Uhr, hr-Livestream), im ersten Heimspiel kommt die TSG Hoffenheim (23. September), dann geht es zur Turbine Potsdam (29. September). Für Kapitänin Marith Prießen, deren Vertreterinnen Groenen und Laura Störzel sind, ist der FFC „eine freche Wundertüte. Wir sind eine homogene Mannschaft und brauchen uns vor niemanden zu verstecken.“

Allerdings könne man aufgrund der jungen Gruppe keine Konstanz erwarten, „aber die ein oder andere Überraschung“. Ihr Trainer ergänzt: „Wir wollen frischen Fußball spielen. Wenn wir die Grundtugenden Spielfreude, Leidenschaft und Laufbereitschaft zeigen, können wir jeden schlagen.“

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