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Nur noch als Zuschauer beim OFC: Helmut Spahn
Kickers Offenbach
Sport

Helmut Spahn tritt zurück

Von Jörg Moll
20:47

Fünf Tage die Woche als Sicherheitschef der Fifa und rund um den Globus unterwegs, zwei Tage am Wochenende für Familie und Kickers Offenbach. Das Leben des Helmut Spahn unterliegt seit 2017, als er seinen Job in Zürich antrat, einer besonderen Taktung. Und so überrascht es nicht, dass der 57-Jährige schon länger über einen Rücktritt nachdachte. Angedacht war, dass er bei der nächsten Mitgliederversammlung diesen Schritt vollzieht. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich nun, sofort beim Fußball-Regionalligisten zurückzutreten. Die Nachfolge wird in einer Sitzung von Verwaltungs- und Aufsichtsrat geregelt.

„Ich hatte gedacht, ich bekomme es geregelt“, räumte Spahn ein, musste sich aber eingestehen, dass das Pendeln in der großen Fußball-Welt, zwischen Zürich und Froschhausen mit Job, Familie und OFC nicht funktionierte. „Ich musste zu oft Termine im Aufsichtsrat und Verwaltungsrat absagen“, erklärte er: „Aber ein Präsident muss da sein. Deshalb musste ich für mich eine Entscheidung treffen.“

Michael Relic, der mit Spahn sowie Barbara Klein, dem im Februar 2018 offiziell aus dem Amt ausgeschiedenen Remo Kutz und Markus Weidner im November 2015 die Nachfolge des Teams um Claus-Arwed Lauprecht übernommen hatte, bedauerte Spahns Rücktritt. „Es tut mir unheimlich leid, wir hatten immer eine gute Stimmung untereinander“, sagte er. OFC-Geschäftsführer Christopher Fiori lobte die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, über dessen Nachfolge ebenfalls am Freitagabend in der Gremiensitzung entschieden werden soll. Völlig offen ist, wie die Gremien die Frage nach der neuen Führung beantworten. Relic selbst drängt es nach eigenen Worten nicht in die erste Reihe. Laut Satzung müsse der Klub keinen kommissarischen Präsidenten stellen. Denkbar ist für ihn auch, im bestehenden Team wechselnd Verantwortung zu übernehmen.

Spahn hatte als 29. Präsident der Kickers im November 2015 in schweren Zeiten und mit großen Zielen das Ruder von Lauprecht übernommen. Die Folgen des Insolvenzverfahrens 2013 waren ein schwerer Rucksack, den auch Spahns Team lange mit sich herumtrug. Mit großer Mühe, der Spendenbereitschaft der Fans und Förderer des OFC und einem von Spahn initiierten Retterspiel gegen den Rekordmeister FC Bayern München gelang es, ein zweites Insolvenzverfahren zu verhindern. Gescheitert war Spahn dagegen in seinem Bemühen, die Folgen der zu spät angemeldeten Insolvenz und des daraus resultierenden Punktabzugs für die Saison 2016/2017 vor dem Schiedsgericht der Regionalliga abzuwenden.

Mehr als zwei Jahre danach knabbern die Kickers immer noch an Altlasten. 2019 soll die letzte Rate in Höhe von 90.000 Euro für Abschläge für die Berufsgenossenschaft aus dem Jahr 2015 abgestottert sein. Die finanziellen Probleme sind ein Dauerthema beim OFC. Spahn selbst sieht in punkto Finanzen „alles unter Kontrolle“. Auch Fiori dementierte gravierende Finanzprobleme. „Wir zahlen Gehälter, haben gerade 100.000 Euro Umsatzsteuer ans Finanzamt bezahlt.“ Dass der OFC in der Regionalliga kämpfen müsse, um zu überleben, ist für Fiori gelebter Alltag.

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