DEL2
Sport

Ein Team der Superlative

Von Manuel Schubert
07:48

Franz Fritzmeier hat in den vergangenen anderthalb Jahren etliche Flugmeilen gesammelt. Im Dezember 2016 war er als Trainer der Krefeld Pinguine freigestellt worden, der Eishockey-Erstligist musste ihn jedoch weiter bezahlen. Also nutzte der Bad Tölzer die freie Zeit, um die ganze Welt zu bereisen und sich ein gigantisches Netzwerk aufzubauen. Nach Kanada und in die Vereinigten Staaten zog es Fritzmeier nach Schweden, Finnland und Tschechien. Auch, nachdem ihn die Löwen Frankfurt im Dezember 2017 zum neuen Sportdirektor auserkoren hatten, reiste er zweimal nach Nordeuropa, um seine Kontakte nach Skandinavien zu pflegen. 

„Man muss sein Netzwerk konstant ausbauen“, sagt Fritzmeier. Der 38-Jährige hat es sich zum Ziel gesetzt, allen Spielern, die ihm interessant erscheinen, persönlich einen Besuch abzustatten. Um nicht nur ihre Statistiken und schönsten Tore zu kennen, sondern auch den Menschen hinter dem Plexiglasvisier. Rund hundert Spieler würden ihm täglich angeboten, sagt Fritzmeier. Die Kunst ist es, aus dieser Masse die geeigneten Kandidaten herauszufiltern. 

Ein Publikumsliebling geht

Einige der Akteure, die Fritzmeier in den zurückliegenden Monaten beobachtet hat, werden in der neuen DEL2-Saison das Löwen-Trikot tragen. Der Manager ist gerade dabei, den Kader der Hessen ordentlich umzukrempeln und scheut dabei auch nicht vor unpopulären Entscheidungen zurück. So bekam etwa Publikumsliebling Clarke Breitkreuz keinen neuen Vertrag. Lässt man die Kölner Förderlizenzspieler außer Acht, stehen derzeit nur sechs Spieler aus der Vorsaison im Aufgebot – viel mehr dürften es auch nicht werden.

Jünger und hungriger soll die Mannschaft werden – aber ganz sicher keine U23-Auswahl, wie manch Löwen-Fan befürchtet. „Wir sind kein Ausbildungsverein“, betonte Fritzmeier vorige Woche bei der Vorstellung des neuen Trainerteams um Matti Tiilikainen. Im Gegenteil: Wenn der Sportdirektor über das Löwen-Team der neuen Saison philosophiert, spricht er nur in Superlativen. Fritzmeier redet von „Krachern“ und „Toptalenten“, die die Mannschaft verstärken sollen. „Unser Fokus liegt auf absoluten Spitzenspielern und auf solchen, die wir für die Zukunft aufbauen wollen“, so der Bayer.

Mit der Kaderplanung sei er „sehr weit“, sagt der frühere Flügelstürmer. Bis auf drei Positionen seien bereits alle Planstellen belegt. Anders als in der zurückliegenden Spielzeit, wo alle vier Kontingentstellen mit Angreifern besetzt wurden, plant Fritzmeier nun mit drei Stürmern und einem Verteidiger. Eine der drei Stellen in der Offensive wird weiter der Kanadier Matt Pistilli belegen, dazu kommen ein Mittelstürmer und ein Angreifer, der sowohl im Zentrum als auch auf dem Flügel agieren kann. „Wir werden sehr flexibel sein“, sagt Fritzmeier. Bei einem der drei neuen Ausländer soll es sich um einen Finnen handeln.

Generell werde im Kader ein großer Konkurrenzkampf herrschen, so der Sportdirektor. Das gilt vor allem für den Platz zwischen den Pfosten, wo sich der neue Torwart Felix Bick, der aus Bad Nauheim kommt, gegen die beiden starken Kölner Förderlizenzspielern Hannibal Weitzmann und Bastian Kucis behaupten muss. Hinzu kommt ein weiterer junger Torhüter, mit dem sich die Löwen bereits einig sind. Laut Fritzmeier handelt es sich um „ein großes Talent“. 

Vertrackt ist die Situation dagegen bei Stürmer Nils Liesegang. Der Rekordspieler der Löwen plagt sich schon seit März mit einer schweren Erkrankung herum, die zwar nicht bedrohlich ist, den 30-Jährigen aber bis heute vom Leistungssport abhält. Ob Liesegang in der neuen Saison für die Löwen auflaufen wird, steht in den Sternen. Fritzmeier sagt: „Wichtiger ist erst einmal, dass er gesund wird.“ 

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