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Bereitet den Skyliners große Sorgen: Niklas Kiel.
Skyliners Frankfurt
Sport

Kontinuität und ein Fragezeichen

Von Timur Tinç
07:01

Gordon Herbert klang einigermaßen zufrieden. Überschwängliche Begeisterung kennt der Kanadier mit dem trockenen Humor ohnehin nicht. Acht Spieler aus der erweiterten Rotation der vergangenen Saison sind weiter an Bord und die drei Neuzugänge Akeem Vargas, Brady Haslip und Jason Clark sind schon vor dem ersten Teamtraining an diesem Donnerstag an Bord. „Ich bin glücklich, dass wir Haslip und Clark bekommen haben“, sagt der Cheftrainer der Frankfurt Skyliners. „Und das wir weiter Tez und Huff behalten konnten.“

Haslip (28) und Clark (28) sind die beiden erfahrenen Guards, die die abgewanderten Leistungsträger Tai Webster (Galatasaray Istanbul) und Topscorer Phil Scrubb (Zenit St. Petersburg) ersetzen werden. Quantez Robertson (33), der Kapitän, hat seinen Vertrag trotz Ausstiegsoption um ein weiteres Jahr verlängert und geht in seine zehnte Saison bei den Hessen. Und Shawn Huff, der seit Januar 2017 beim Klub ist, bleibt ebenfalls ein weiteres Jahr in Frankfurt. Dass der Kapitän der finnischen Nationalmannschaft weiter das blaue Jersey trägt, liegt vor allem an der ungewissen Situation von Niklas Kiel. 

Erstmal nur fünf Ausländer

Der 20-Jährige, der in der vergangenen Saison zwei Gehirnerschütterungen erlitten hat, ist vor kurzem im familiären Kreis zusammengebrochen. „In zwei Wochen hat er eine weitere Untersuchung“, sagt Gunnar Wöbke, der geschäftsführende Gesellschafter. Da er kein Risiko eingehen will, wurde Huff für ein weiteres Jahr gebunden, um in Ruhe abzuwarten, wie sich der gesundheitliche Zustand von Kiel entwickelt. Eigentlich sollte der 2,07-Meter-Mann nach zwei Seuchenjahren voll durchstarten und auch vermehrt auf der Centerposition eingesetzt werden. Seit Samstag steht zudem fest, dass Mike Morrison nicht mehr in Frankfurt spielen wird, sondern zum litauischen Klub BC Lietkabelis wechselt.

Ein weiterer Center neben dem gesetzten Jonas Wohlfarth-Bottermann (2,08 Meter), Marco Völler (1,99 Meter) und Nachwuchsmann Armin Trtovac (2,10 Meter) soll dennoch zunächst nicht verpflichtet werden. „Wir wollen mit fünf Ausländern in die Saison gehen“, sagt Wöbke. Vier stehen bereits im Kader, ein weiterer Guard soll als Ersatz für den in die NBA gewechselten Isaac Bonga (Los Angeles Lakers) kommen. „Wir sind relativ tief besetzt und da viele Spieler, viele Minuten spielen sollen, müssen wir prüfen, wie wir das unter einen Hut kriegen“, erklärt Wöbke. Allen voran sollen Kiel und Richard Freudenberg (19) den nächsten Entwicklungsschritt machen. Auch Trtovac (20) soll an das Profiteam rangeführt werden.

Doch angesichts der Doppelbelastung im Eurocup, dem zweithöchsten europäischen Wettbewerb, sind die Hessen aktuell auf der Centerposition qualitativ nicht gut genug besetzt, um gegen die starke Konkurrenz mitzuhalten. Die Skyliners bräuchten wieder einen Spielertyp wie Nationalspieler Johannes Voigtmann, der nicht nur unter dem Korb agiert, sondern auch das Spielfeld breit machen und von außen werfen kann. Kiel, der einen guten Wurf hat, wäre so jemand, aber ob er die Rolle ausfüllen kann, hängt davon ab, wie schwer die Nachwirkungen seiner Gehirnerschütterungen sind.

Zeitdruck haben die Skyliners nicht, die Saison beginnt erst am 29. September mit dem Auftaktspiel in Ludwigsburg. Allerdings ist es schwieriger gute große Spieler auf dem Transfermarkt zu bekommen, als kleine Spieler von denen es deutlich mehr gibt. Sollten die Skyliners nicht auf den großen Positionen reagieren, wären sie abhängig von ihren Guards und damit leicht ausrechenbar. Das kann Gordon Herbert nicht gefallen.

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