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Meister werden ist ja ganz schön, aufstiegen ist aber noch besser. Demnächst darf der DEL2-Meister endlich wieder eine Etage höher klettern.
Eishockey
Sport

Längst überfällig

Von Manuel Schubert
09:07

Das Offensichtliche vorweg: Natürlich ist es gut und richtig, dass DEL und DEL2 sich nach jahrelangem Hickhack auf eine Wiedereinführung des sportlichen Auf- und Abstiegs geeinigt haben. Die Entscheidung ist absolut überfällig. In keinem anderen Mannschaftssport und fast keinem anderen Land gibt es eine derart seltsame Abschottung zwischen Oberhaus und Unterbau, wie sie im deutschen Eishockey seit zwölf Jahren praktiziert wird – mal abgesehen von den USA, wo der stetige Wettbewerb allerdings durch die Finanzgleichheit aller Klubs garantiert wird.

Ein unerträglicher Zustand, der nun also doch sein Ende findet. Wer hätte das noch für möglich gehalten, nachdem die 14 DEL-Vereine die ersten beiden Anträge der DEL2 – teils mit Hilfe fadenscheiniger Begründungen – abgeschmettert hatten und nie so richtig den Eindruck erweckten, als seien sie ernsthaft daran interessiert, die Sprengung ihres exklusiven Zirkels in Kauf zu nehmen. Der größte Gewinner dieser Entscheidung ist der Sport. Die Play-offs in der DEL2, bislang eine Jagd nach der Goldenen Ananas, haben endlich wieder einen Sinn. Gab es bislang nur einen silbrigen Wanderpokal zu holen, winkt nun ein Ticket für die Premiumklasse des deutschen Kufensports. Traditionsstandorte wie Frankfurt oder Kassel werden darauf drängen, gleich im ersten Anlauf den Aufstieg klarzumachen. 

Manche der 14 Erstligisten hingegen müssen sich nun kräftig strecken. Vereine wie Krefeld, Straubing, Augsburg oder Düsseldorf, die seit Jahren im Tabellenkeller herumkrebsen und immer wieder aufs Neue Mannschaften zusammenstellen, die nicht konkurrenzfähig sind, wohl wissend, dass ihnen eh nichts passieren kann, sind nun gezwungen zuzulegen. Vor allem die Kellerkinder sollen es gewesen sein, die sich gegen die Verzahnung mit der DEL2 sträubten und damit der Attraktivität der gesamten Liga schadeten. Sich ohne Konzept von einer Saison zur nächsten schleppen und dann in der Sommerpause drei Viertel des enttäuschenden Kaders aussortieren – das wird künftig nicht mehr möglich sein. Die schwächelnden Erstligisten müssen sich fachkundiger aufstellen, ihr Scouting verbessern, ihre Nachwuchsarbeit professionalisieren. Sonst kann für sie das Erstliga-Abenteuer bereits in drei Jahren beendet sein.

Allerdings sei zur Vorsicht geraten. Die Tinte unter der wegweisenden Einigung zwischen DEL und DEL2 ist noch nicht trocken, die Vereinbarung werde „zeitnah unterschrieben“, steht in der offiziellen Mitteilung. So lange heißt es: hoffen, dass die Erstligisten nicht doch noch ein Haar in der Suppe finden. 

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