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Colin Kaepernick.
Kommentar NFL
Sport

Mit Schere und Feuerzeug

Von Jakob Böllhoff
08:24

Die NFL hat alles getan, um Colin Kaepernick ins Aus zu drängen, mitsamt seiner politischen Botschaft. Zur Erinnerung: Kaepernick ist der Mann, der sich beim Abspielen der Nationalhymne hinkniete, um Polizeigewalt und Rassismus in den USA anzuprangern. Andere Spieler schlossen sich dem Quarterback an, der 2016 keinen neuen Vertrag bei den San Francisco 49ers erhielt und seither auch nirgendwo sonst. Igitt, Politik. Damit will man halt lieber nichts zu tun haben im Sport und in der NFL. Ganz schlecht für die TV-Quote, die der American-Football-Liga ohnehin wegrutscht, 2016 ging es acht Prozent nach unten, 2017 zehn, für 2018 wird eine Fortsetzung des Trends erwartet. Ein Imageproblem hat die NFL ja sowieso.

Inzwischen hat sie mehr als 500 Millionen US-Dollar an Entschädigungszahlungen leisten müssen, an Spieler, die durch Gehirnerschütterungen dauerhafte Gesundheitsschäden davontrugen. Immer weniger Kids spielen Football, zum Glück möchte man sagen. Dann wollte es partout nicht gelingen, den Troublemaker Kaepernick loszuwerden, dabei haben sie doch alles versucht, die NFL-Bosse. Sie haben sich verschworen gegen den unbequemen Mann, damit er keinen Vertrag mehr bekomme, die Mauschelei wird nun Gegenstand eines Gerichtsprozesses, der sich über die gesamte Saison ziehen dürfte. Auch das: nicht gut fürs Image. Gar nicht gut.

Und nun also hat dieser Kaepernick, diese Persona non grata der NFL, dieser unerhört politische Sportler, einen neuen Vertrag mit Nike abgeschlossen, jenem Sportartikelhersteller, der auch zu den größten Sponsoren der Liga zählt. Eine größere Peinlichkeit ist nicht denkbar für die NFL.

Die Antwort der hirnlosen Pseudopatrioten kam sogleich: Sie schnitten das Nike-Wappen aus ihren Klamotten oder zündeten ein Paar Schuhe an, gut dokumentiert bei Twitter. Handlungen im Geiste Donald Trumps, von Menschen, die Kaepernicks Friedensbotschaft nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, sondern nur sehen, dass einer ihre Hymne nicht ehrt. Schere und Feuerzeug liegen da stets in Griffweite.

Für Nike dürfte sich der Deal auf Dauer auszahlen, nicht nur wirtschaftlich, und die NFL und ihre Teambesitzer sind arg in Bedrängnis. Auf die Reaktion darf man gespannt sein.

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