© dpa, FR
Ein Drittel der Befragten will mit dem Baukindergeld ein größeres Eigenheim bauen.
Baukindergeld
Wirtschaft

Ziel verfehlt

Von Stefan Sauer
09:33

Für gut befunden, Ziel aber verfehlt: So könnte man die Ergebnisse einer Befragung zum Baukindergeld zusammenfassen, die das Portal Elterngeld.de unter 1000 hausbauwilligen Eltern im August durchgeführt hat. Danach halten zwar 95 Prozent der Teilnehmer das Baukindergeld für sinnvoll. Zugleich aber geben nur neun Prozent an, sich nur mit Hilfe des Baukindergelds ein Eigenheim leisten zu können. Die große Mehrheit will den staatlichen Zuschuss dazu nutzen, Kredite schneller zu tilgen oder sich ein größeres Domizil zuzulegen als ursprünglich geplant. Damit wird das politische Ziel der Subvention offenbar verfehlt, auch weniger finanzkräftigen Familien den Bau oder Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen, den Wohnungsbau anzukurbeln und so auch regionalem Wohnraummangel zu begegnen.

Union und SPD hatten im Juni eine Grundsatzeinigung zum neuen Baukindergeld erzielt. So sollen Familien für einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich 1200 Euro pro Kind erhalten, insgesamt also 12 000 Euro pro Kind. Dabei wird es keine Begrenzung der Kinderzahl geben. Wer etwa fünf Kinder hat, erhält zehn Mal 6000 Euro Zuschuss, insgesamt also 60 000 Euro. Voraussetzung ist, dass das zu versteuernde Jahresfamilieneinkommen 75 000 Euro plus 15 000 Euro pro Kind nicht übersteigt. Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen bis zu 105 000 Euro erhält pro Jahr 2400 Euro Baukindergeld.

Allerdings werden einige Rahmenbedingungen und Finanzierungsdetails derzeit noch zwischen Bundesfinanzministerium, KFW und dem Bundesinnen- und Bauministerium verhandelt. Auch ein Termin für die Verabschiedung durch den Bundestag steht noch nicht fest. Eigentlich hatte das Baukindergeld schon im August starten sollen und beantragt werden können. Möglicherweise sind Verzögerungen und ungeklärte Einzelheiten Gründe dafür, dass sich 70 Prozent der Befragungsteilnehmer noch sehr unzureichend über die neue Leistung informiert fühlen, während sich nur 27 Prozent als gut informiert betrachten. 53 Prozent geben an, aufgrund der vielen Änderungen am Gesetzentwurf mittlerweile sehr verunsichert zu sein.

So oder so dürfte das Baukindergeld vor allem von Familien genutzt werden, die ohnehin den Bau oder Erwerb eines Eigenheims fest geplant hatten. 63 Prozent gaben an, mit dem Geld vom Staat den Immobilienkredit schneller als gedacht abstottern zu wollen. 31 Prozent kreuzten als Verwendungszweck eine Vergrößerung des künftigen Wohneigentums an. Auch für jene gut 80 Prozent der Befragten, die noch in diesem oder dem kommenden Jahr den Hausbau oder Hauskauf in Angriff nehmen wollen, dürften Mitnahme-Effekte im Vordergrund stehen. Schließlich fallen Entscheidungen solcher Tragweite nicht über Nacht.

Immerhin könnte es sein, dass das Baukindergeld in den mittelfristigen Planungen der Familien eine größere Rolle spielen wird, etwa für das knappe Fünftel der Befragten, die sich erst 2020 eigenen Wohnraum anschaffen wollen. Nicht zuletzt trifft das Baukindergeld in der angepeilten Zielgruppe eher junger Familien auf großes Interesse: Von den 1000 Befragungsteilnehmern sind 35 Prozent zwischen 26 und 30 Jahre alt, weitere 21 Prozent zählen zwischen 21 und 25 Jahre. Hinzu kommen nochmals gut 30 Prozent in den Dreißigern. Die Anteile der älteren und jüngeren Altersgruppen unter den Befragten liegen bei fünf Prozent und darunter.

Das Fazit des Elterngeld.de-Geschäftsführers Patrick Konrad fällt denn auch zwiespältig aus: „Auf jeden Fall kommt das Baukindergeld in der Bevölkerung gut an. Sein politisches Ziel, den Immobilienerwerb anzukurbeln, verfehlt es jedoch.“

  Zur Startseite