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Wirtschaft

Online ummelden

Von Julia Schuetze
17:04

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag die Umsetzung eines digitalen Portals für Bürger und Unternehmen beschlossen, mit dessen Hilfe man ohne Besuch beim Bürgeramt übers Internet Anträge einreichen oder sich in einer neuen Stadt melden kann. Das ist erstmal positiv zu beurteilen, weil es flexibleren Kontakt zu den Behörden ermöglicht, zeitaufwändige Wege entfallen und durch die Automatisierung in den Behörden auch wieder mehr Kapazitäten frei werden. Auch für die Unternehmen geht man von großen Einsparungen aus, weil der Verwaltungsaufwand reduziert wird.

Über dem Projekt schwebt aber eine große Skepsis, die es zu überwinden gilt: Denn ob ein solches Portal genutzt wird, hängt neben seiner Funktionsfähigkeit und dem Mehrwert auch vom nötigen Vertrauen in die Institutionen ab, die das Portal erstellen, betreiben und absichern. Bürger erwarten grundsätzlich ein hohes Sicherheitsniveau beim Umgang mit ihren Daten und nehmen solche digitalen Projekte des Staats nur an, wenn ihre Sicherheitsbedürfnisse erfüllt werden.

Wir sollten uns nichts vormachen: Auch diese Plattform wird, wie andere politische Institutionen und Unternehmen, Cyber-Angriffe aushalten müssen. Der Staat muss sicherstellen und kommunizieren, dass er im Falle von Angriffen handlungsfähig ist und kompetent reagieren kann. Nur so wird es Vertrauen in die Nutzung des Portals geben.

Was das bedeutet, macht der Vergleich mit dem Straßenverkehr deutlich: Die wenigsten Bürger kennen die technischen Details der Verkehrsregelung. Dennoch vertrauen die meisten voll darauf, dass automatische Tempolimits stimmen oder Ampeln richtig schalten. Sie vertrauen den Institutionen und darauf, dass auch bei mal größeren Problemen nie das ganze System zusammenbrechen wird.

So sollte es auch beim Bürgerportal sein. Selbst dann, wenn durch Cyber-Angriffe Portale kompromittiert werden, darf das Vertrauen in das System und die Institutionen, die es sichern, nicht versiegen. Um das zu erreichen, brauchen wir beim Bürgerportal Transparenz: Schutzmaßnahmen müssen nachvollziehbar sein. Auch die klare Kommunikation darüber, welche Behörde für die Sicherheit zuständig ist, spielt eine große Rolle. Dann hat das Bürgerportal das Potenzial, eine Alternative zum Bürgeramt werden.

Die Autorin ist Projektmanagerin des Transatlantischen Cyber Forums der Stiftung Neue Verantwortung.

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