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Das Porto für die Zustellung eines Standardbriefs soll auf 80 Cent steigen.
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Wirtschaft

Die Post wird deutlich teurer

Von Frank-Thomas Wenzel
08:13

Der Versand von Briefen und Paketen über die Deutsche Post soll teurer werden. Der teilstaatliche Konzern kündigte am Dienstag teils deutliche Preiserhöhungen an. Was Verbraucher ärgern dürfte, freute die Anleger. Die Aktie ist am Dienstag deutlich geklettert, bis zum Nachmittag war es ein Plus von gut vier Prozent. Bei Börsianern machte sich Erleichterung breit, dass der Konzernvorstand die Gewinnprognose für dieses Jahr bestätigt hat und es nach dem mauen Frühjahr nicht noch schlimmer kommt: 3,2 Milliarden Euro will die Post am Jahresende als operativen Gewinn ausweisen können.

Einnahmen der Post stark gesunken

Was war passiert? Die Post, die noch zu gut einem Fünftel dem Staat gehört, hat im Wettbewerb um die Zustellung der Produkte der Online-Versender auf Expansion gesetzt. Der Sparte DHL ging es vor allem darum, UPS, Fedex, DPD und Co. Marktanteile abzuluchsen. Deshalb offerierten die Gelben Großkunden wie Amazon extrem günstige Konditionen. Sie wollten von dem wachsenden Markt profitieren, doch zugleich sind wegen des harten Konkurrenzkampfs die Einnahmen pro Sendung massiv gesunken – und zwar für alle Paketdienste.

Diese Entwicklung bedeutet, dass die Unternehmen ihre Kosten reduzieren müssen. Doch das wurde bei der Post nicht in ausreichendem Maß getan. Zumal es noch eine Gegenentwicklung gab. Der Konzern hat mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag ausgehandelt, der den Beschäftigten im vorigen Oktober 1,7 Prozent mehr Geld brachte. Diesen Oktober kommen noch einmal drei Prozent hinzu. Das ist gut für die Beschäftigten, doch es war auch ein Grund dafür, dass die Gewinnprognose um fast eine Milliarde auf 3,2 Milliarden Euro gesenkt wurde.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn etwa ein Fünftel ihres Werts verloren. Der Chef der Brief- und Paketsparte, Jürgen Gerdes, wurde gefeuert. Konzernchef Frank Appel macht bis auf weiteres seinen Job mit. Er hat in der relativ kleinen Sparte mit Bücher- und Warensendungen bereits Aufschläge umgesetzt. Finanzchefin Melanie Kreis kündigte am Dienstag außerdem für das Paketgeschäft „überdurchschnittliche Preiserhöhungen“ an. Zudem sollen die Kosten mittels Vorruhestandsregelungen und mehr Effizienz unter anderem in den Verteilzentren spürbar gedrückt werden. Branchenkenner berichten, dass DHL auch stärker auf Paketstationen setzen will. Denn das Aufwendigste an der Zustellung sind die letzten Meter bis zur Wohnung des Adressaten.

Post-Erfolgsprojekt Streetscooter

Das gilt auch für das gute alte Briefgeschäft. Hier will die Post im nächsten Jahr das Porto erhöhen. Appel hat schon deutlich gemacht, dass es ein kräftiges Plus geben soll, wohl um beim leidigen Portothema für längere Zeit Ruhe zu schaffen. Laut Medienberichten soll sich der Standardbrief (bis 20 Gramm) von 70 Cent auf 80 Cent verteuern. Der Umfang der Erhöhung muss aber noch von der Bundesnetzagentur genehmigt werden. Denn die Post hat einen Sonderstatus: Sie ist von der Umsatzsteuer befreit, muss dafür aber die flächendeckende Zustellung garantieren. Für jeden Bürger muss eine Postagentur in 2000 Meter und ein Briefkasten in 1000 Meter Entfernung erreichbar sein. Die Post begründet die Aufschläge immer wieder mit steigenden Personalkosten und einem sinkenden Aufkommen bei den Briefen, beides verteuert den Transport pro Brief.

Die Bestätigung der Gewinnprognose bewerten die Branchenkenner als Hinweis darauf, dass Appel davon ausgeht, dass er seine Pläne in den nächsten Monaten erfolgreich durchziehen kann.

Das soll auch für das Vorzeigeprojekt Streetscooter gelten. Die Post baut den Elektrolieferwagen in Eigenregie. Man wolle die Produktion weiter hochfahren, um den Transporter verstärkt selbst zu nutzen und um mehr Fahrzeuge an Handwerker und andere Gewerbetreibende zu verkaufen, die sich verstärkt für das Fahrzeug interessieren. Es kursieren zudem Spekulationen, dass diese Sparte an die Börse gebracht werden soll. Die Bank Goldmann Sachs prüft offenbar diese und andere Optionen. Finanzchefin Kreis sagte aber, die nächsten zwei Jahre werde beim Streetscooter alles bleiben wie es ist.

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