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Martin Locher, Präsident der Vereinigung Cockpit, wirft Ryanair vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren.
Streik bei Ryanair
Wirtschaft

Piloten fordern Ryanair heraus

Von Frank-Thomas Wenzel
16:38

Der Billigflieger Ryanair streicht am Freitag rund 250 Flüge von und nach Deutschland. Die Kunden könnten kostenfrei umbuchen oder ihr Geld zurückbekommen, sagte Marketingchef Kenny Jacobs. Der Hintergrund: Neben Piloten in Irland, Belgien und Schweden wollen sich auch deutsche Flugzeugführer erstmals einem Streik anschließen, und zwar über 24 Stunden mitten in der Urlaubshochsaison.

Der Ausstand beginne am Freitag um 3.01 Uhr und ende am Samstag um 2.59 Uhr, teilte die hiesige Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit. Sie rief alle angestellten Piloten an den deutschen Ryanair-Basen für Freitag zu der Arbeitsniederlegung auf. Von den rund 400 an zehn Airports eingesetzten Piloten ist laut VC die Mehrzahl bei dem irischen Unternehmen direkt angestellt. Exakte Zahlen kenne man nicht, Schätzungen schwanken zwischen 67 und 90 Prozent Festangestellter. Die übrigen Piloten arbeiten über Personaldienstleister bei der Airline.

Der Freitag wird der Tag mit dem bislang mit Abstand umfänglichsten Arbeitskampf der Frauen und Männer, die bei Ryanair im Cockpit arbeiten. Europaweit könnten knapp 400 der geplanten 2400 Flüge ausfallen. Zahlreiche Verspätungen werden hinzukommen. Und es dürfte bis in den Sonntag hinein dauern, bis sich der Flugverkehr von Ryanair wieder normalisiert. Denn nach dem Streik müssen die Maschinen in vielen Fällen erst einmal dahin fliegen, wo sie gebraucht werden.

Der Arbeitskampf wird mit harten Bandagen geführt. Jahrelang trauten sich die Ryanair-Piloten aus Angst vor Repressionen nicht, gegen das Management aufzubegehren. Mittlerweile haben irische Cockpit-Crews an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt. 

Ein erster Warnstreik der Flugzeugführer war in Deutschland im Dezember ohne Flugausfälle geblieben, weil Ryanair ausreichend Ersatzpiloten mobilisieren konnte. Die VC geht auch jetzt davon aus, dass der Billigflieger mehrere Maschinen in die Luft bekommen könnte. 

Großes Gehaltsgefälle bei Fluglinien

Dennoch sind die Cockpit-Funktionäre überzeugt, dass ihr Ausstand Wirkung zeigen wird. VC-Chef Martin Locher warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren: „Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkostenerhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen.“

Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte bereits im Februar klargemacht: Er sei eher bereit, die Folgen von Streiks zu ertragen, als sich auf Forderungen von Gewerkschaften einzulassen, die das Geschäftsmodell seines Unternehmens gefährdeten. Die VC hat keine konkrete Geldforderung gestellt. Als Maßstab zieht sie Tarifverträge von hiesigen Fluggesellschaften wie der Tuifly heran, ohne auf den dort definierten Gehaltsstufen zu beharren. Vorhaltungen des Managements, man verlange Gehaltserhöhungen von mehr als 60 Prozent, weist die VC zurück. 

Mit Jahresgehältern zwischen 30.000 und 90.000 Euro stehen Ryanair-Piloten in Europa am unteren Ende der Skala für ihren Berufsstand. Selbst der Billigflugrivale Easyjet zahlt mit 50.000 bis 130.000 Euro deutlich mehr, bei Lufthansa oder Air France sind 200.000 Euro pro Kopf keine Seltenheit. 

Ryanair müsse sich bewegen, sagte VC-Vize Markus Wahl. „Sie machen jedes Jahr Milliardengewinne, und das Durchschnittsticket kostet um die 40 Euro. Irgendwer muss dafür bezahlen. Das Personal wird es nicht mehr tun.“ mit dpa

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