© Stephane Corvaja/ESA/dpa, FR
Eine Vega-Trägerrakete startet vom Weltraumbahnhof in Kourou. An Bord: Der Esa-Erdbeobachtungssatellit "Aeolus".
„Aeolus“
Wissen

Esa-Mission „Aeolus“ soll Wettervorhersage verbessern

13:19

Der am Mittwochabend gestartete Esa-Wissenschaftssatellit „Aeolus“ soll erstmals Windprofile von der ganzen Erde erstellen und so völlig neue Erkenntnisse für die Wettervorhersagen bringen. Wie beeinflussen Winde in den tropischen Bereichen des Pazifiks das Wetter in Europa? Und: Können genauere Beobachtungen eines Höhenwindes, des Jetstreams, Sturmprognosen verbessern? Zu solchen Fragen sollen erstmals Windprofile aus dem All erstellt werden. „Wir erwarten, dass die Messungen von „Aelous“ die Modelle der Winddynamik der Erdatmosphäre deutlich voranbringen“, sagte Anne Grete Straume, Missionswissenschaftlerin von „Aeolus“ bei der Esa.

Der zunächst für Dienstag vorgesehene Start vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana war wegen ungünstigen Wetters verschoben und am späten Mittwochabend nachgeholt worden.

Zwar gibt es zahlreiche Wetterballone, Bojen, Schiffe, Flugzeuge und Satellitenmessungen, die Daten über Winde liefern. Doch auf der Südhalbkugel, über den Ozeanen, den Tropen und oberhalb von zehn Kilometern Höhe ist dieses Netz dünn. „Aeolus“ soll erstmals die Windgeschwindigkeit rund um den Globus in 30 Kilometern Höhe bis zum Boden oder über dicken Wolken messen.

„Signifikant bessere“ Wettervorhersage

„Derzeit gibt es fast eine Million Wind-Messungen innerhalb von 24 Stunden. Mit „Aeolus“ kommen etwa acht Prozent dazu“, berichtet Straume vom Esa-Technologiezentrum im niederländischen Noordwijk. „Wenn man mehr Satelliten dieser Art hätte, die in verschiedene Richtungen gucken, wäre das der Durchbruch in der Wettervorhersage.“

Voraussichtlich innerhalb des ersten Jahres nach dem Start von „Aeolus“ werden europäische Wetterdienste wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach die Daten in ihren Vorhersagemodellen berücksichtigen können, wie Straume sagt. Die Fachwelt erwarte, dass vor allem die Fünf-bis-Sieben-Tage-Vorhersage damit „signifikant besser“ werde.

Meteorologe Alexander Cress aus der DWD-Forschungsabteilung verspricht sich zudem eine Verbesserung für die Zwei-bis-Vier-Tage-Vorhersage. „Es gibt derzeit keine Windprofile von Satelliten, nur einzelne Messungen.“ Wenn „Aeolus“ wie geplant Daten und Zeitreihen liefere, sei dies ein großer Fortschritt für die Wettervorhersage.

Dazu nennt Cress ein Beispiel: Eine Störung in der Atmosphäre über dem Pazifik unterhalb des Jetstreams sei aus Datenmangel falsch interpretiert worden. Die nicht richtig erkannte Störung sei über den Pazifik, Amerika und den Atlantik gezogen und habe sich in Europa verstärkt. Die Folge: Ein Sturm sei völlig unterschätzt worden. „Das konnten wir nicht richtig vorhersagen.“

Rund 15 Jahre hat die Vorbereitung der „technisch höchst komplizierten und anspruchsvollen wissenschaftlichen Mission“ gedauert, heißt es bei der Esa über „Aeolus“. Der mehr als 300 Millionen Euro teure Satellit sei „extrem fragil“. Die Technik sei hoch kompliziert und sehr empfindlich.

Das Instrument „Aladin“ (Abkürzung für Atmospheric Laser Doppler Lidar Instrument) bestehe im Wesentlichen aus einem Laser, einem Spiegelteleskop und einem Set aus Lichtempfängern und -detektoren. Es sende Licht in die Atmosphäre, wo es von Luftmolekülen, Staubpartikeln und Wassertröpfchen zerstreut werde. Aus den zum Satelliten zurückkommenden Strahlen lasse sich die Geschwindigkeit der Luft ablesen. Mit den so entstehenden Daten ließen sich dann besonders präzise Windgeschwindigkeitsprofile erstellen - mit einer Genauigkeit von bis zu einem Meter pro Sekunde.

Der „Gott der Winde“ wird die Erde in einer Höhe von nur 320 Kilometern umkreisen. Weil Luftwiderstand und Reibung die Sonde in dieser Höhe bremsen und in den Sinkflug schicken, sind permanente Manöver und Korrekturen der Flugbahn notwendig. „Das begrenzt die Lebenszeit von „Aeolus“, sagt Paolo Ferri, Leiter des Esa-Missionsbetriebs im Esa-Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Voraussichtlich nach vier Jahren im All werde der Treibstoff aufgebraucht sein und der Satellit in der Erdatmosphäre verglühen. (dpa)

  Zur Startseite