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Himmelsspektakel mit Verspätung
Blutmond über Deutschland
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Himmelsspektakel mit Verspätung

Von Tanja Banner
00:11

„Wo ist er denn, der Mond?“ Fragende Gesichter, suchende Blicke am späten Freitagabend. Eigentlich hieß es, dass man den Blutmond, den komplett vom Erdschatten verfinsterten Vollmond, ab etwa 21:30 Uhr im Südosten über dem Horizont sehen sollte. Suchende streiften über Feldwege und durch abgeerntete Felder, um an Bäumen vorbei einen Blick auf den Mond zu erhaschen. Smartphone-Apps mit Sternenkarten wurden gezückt und gen Himmel gehalten. Doch der Mond blieb erst einmal verschwunden. Dunst über dem Horizont verhinderte zunächst den Blick auf das als „Jahrhundertereignis“ angekündigte Spektakel.

Nur wer ganz genau hinschaute, konnte etwas später den blassen, rötlichen Mond dicht über den Bäumen am Horizont erahnen. „Das habe ich mir aber spektakulärer vorgestellt“, war es aus einer Gruppe Mondsuchender zu hören. Andere packten ihr Smartphones oder die Ferngläser weg und schauten mit bloßem Auge in den Nachthimmel – schließlich waren noch weitere Ereignisse für den Abend angekündigt: Unter dem Mond sollte der Planet Mars auftauchen, außerdem war ein sichtbarer Überflug der Internationalen Raumstation ISS angekündigt.

Und tatsächlich: Pünktlich um 22:31 Uhr tauchte im Westen ein heller Punkt auf, der schnell über den Himmel in Richtung Osten zog. An Bord der ISS: Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst und seine Kollegen, die von Bord aus ebenfalls die Mondfinsternis beobachten konnten. Allerdings hatten sie im Gegenteil zu den Beobachtern auf der Erde einen entscheidenden Vorteil: Ihnen konnten weder Wolken noch Dunst den Blick auf das Jahrhundertereignis versperren.

Auch der Mars trotzte dem Wetter: Er leuchtete ungewöhnlich hell und rot und war deutlich unterhalb des Mondes im Südosten zu erkennen. „Der Mars ist viel beeindruckender als der Blutmond“, hörte man denn auch aus der Schar der Himmelsgucker, die an dem lauschigen Sommerabend auf den Straßen unterwegs war. Der besondere Anblick des Mars liegt an seiner derzeitigen Lage: Er steht der Sonne am Himmel genau gegenüber – in Opposition – und gleichzeitig befindet er sich mit nur 57,6 Millionen Kilometern Abstand besonders nah an der Erde.

Von dort konnte man 103 Minuten lang die Totalität der Mondfinsternis genießen – es handelte sich um die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Erst am 9. Juni 2123 wird es eine drei Minuten längere Mondfinsternis geben. Pünktlich um 23:13 Uhr gab der Erdschatten ein Stück des Mondes wieder frei, von der linken Seite begann der Mond wieder Sonnenlicht zu reflektieren. Und plötzlich – man hatte es kaum noch zu hoffen gewagt – war es doch noch da, das Himmelsspektakel. Teilweise beleuchtet war der Mond plötzlich viel deutlicher zu erkennen und strahlte spektakulär über den Häuserdächern. „Warum ging das nicht gleich so?“, fragte ein Sternengucker in die Nacht. In der mittlerweile vollkommenen Dunkelheit tauchten außerdem immer mehr Sterne am Nachthimmel auf – und vielleicht ist in der Nacht auch noch die eine oder andere Sternschnuppe vom  Meteorstrom der Perseiden  zu sehen, der in der Nacht vom 12. auf den 13. August ihren Höhepunkt hat.

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