© Nasa/Esa/Alexander Gerst, FR
Die Sojus-Kapsel ist an der ISS angedockt und soll später im Jahr wieder drei Astronauten zurück auf die Erde bringen.
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Sabotage an der ISS?

16:12

Russland hat am Dienstag damit begonnen, nach den Ursachen für das winzige Sauerstoffleck an einer an der ISS angedockten Sojus-Kapsel zu forschen. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos prüfe eine Beschädigung der Sojus-Kapsel auf der Erde, erklärte ihr Chef Dmitri Rogosin am Dienstag. „Aber es gibt auch eine andere Version, die wir nicht ausschließen: eine absichtliche Störung im Weltall“, fügte er hinzu.

Laut Rogosin wurden „mehrere Versuche“ festgestellt, ein Loch in die Sojus zu bohren. Diese seien mit „zögerlicher Hand“ ausgeführt worden. Nun stelle sich die Frage: „Um was handelt es sich: um einen Herstellungsfehler oder um einen vorsätzlichen Akt?“

Ein winziger Riss in der Sojus-Kapsel hatte am Donnerstag ein Sauerstoffleck und einen Druckabfall in der ISS verursacht. Die Besatzung geriet dadurch nicht in Gefahr. Die Astronauten verschlossen den Riss mit Klebeband. Rogosin hatte zunächst erklärt, der Riss sei vermutlich durch einen winzigen Meteoriten verursacht worden. Diese Erklärung werde mittlerweile ausgeschlossen, teilte der Roskosmos-Direktor mit.

Wie kam das Loch in die Sojus?

Duma-Mitglied und Ex-Kosmonaut Maxim Surajew deutete an, ein psychisch gestörter Astronaut könnte das Leck gebohrt haben, um einen früheren Rückflug zu erzwingen. „Wir sind alle Menschen und jeder könnte nach Hause wollen“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Besatzungsmitglied „diese seltsame Nummer abgezogen hat“.

Surajew, Mitglied von Präsident Wladimir Putins regierender Partei Einiges Russland, sagte, er hoffe darauf, dass es sich um einen Produktionsfehler handele, „obwohl das auch sehr traurig ist - so etwas gab es in der Geschichte der Sojus-Raumfähren noch nicht“.

Eine Quelle aus der Raumfahrtindustrie sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, dass die Raumfähre während der Testphase auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan beschädigt worden sein könnte.

Kommission soll Verantwortlichen identifizieren

RIA Nowosti berichtete unter Berufung auf Kreise in der russischen Raumfahrtbranche, eine russische Kommission solle nun die Verantwortlichen für das Leck identifizieren. Außerdem würden alle russischen Raumfähren vom Typ Sojus und Progress überprüft.

Auf der ISS arbeiten Russland und die USA trotz zahlreicher diplomatischer Spannungen zusammen. Die Besatzung besteht derzeit aus sechs Astronauten - drei aus den USA, zwei aus Russland und dem Deutschen Alexander Gerst. Er soll bis Dezember auf der Station bleiben und im Oktober als erster Deutscher das Kommando auf der ISS übernehmen.Auf das Leck an Bord der ISS angesprochen sagte Gerst an Bord der ISS am Dienstag während eines Live-Gesprächs mit Kindern in Berlin, es habe einen Vorfall gegeben - zu den Gründen sagte er allerdings nichts. (afp)

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