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Opioide kommen als Schmerzmittel zum Einsatz.
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Opioide mit weniger Nebenwirkungen

Von Pamela Dörhöfer
21:13

Opioide sind hochwirksame Medikamente, die in der Regel auch sehr starke Schmerzen gut eindämmen können. Doch die Nebenwirkungen dieser Substanzen sind erheblich; Opioide können zu Benommenheit, Schwindel, Verwirrtheit, Übelkeit und Verstopfung führen, sie können süchtig machen und schlimmstenfalls sogar zu Atemstillstand führen, weil sie jene Regionen im Gehirn beeinflussen, die für die Atmung zuständig sind. 

Wissenschaftlern der Charité-Universitätsmedizin und des Zuse-Instituts Berlin ist es nun gelungen, in einer Computersimulation eine neue Generation von Schmerzmitteln zu entwickeln: Opioide, die nur an der Stelle der Verletzung oder Entzündung wirken. Damit würden die unerwünschten Nebenwirkungen im Gehirn oder im Verdauungstrakt ausbleiben, so die Schlussfolgerung. In vorklinischen Experimenten sollen sich die neuen Substanzen nach Angaben der Forscher bereits bewährt haben. Ihre Studienergebnisse haben sie in den Fachjournalen „Pain“ und „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Opioide sind eine Stoffklasse von Substanzen, die vor allem bei Gewebeverletzungen und schweren Entzündungen, etwa nach Operationen oder bei Krebserkrankungen, gegeben werden und als Mittel gegen starke Schmerzen unverzichtbar sind.

Gefürchtete Nebenwirkungen aufs Gehirn

Vor allem die Nebenwirkungen auf das Gehirn indes sind gefürchtet. Um das Risiko für die Patienten künftig verringern zu können, forscht das Team um Christoph Stein von der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité und Marcus Weber vom Zuse-Institut seit einiger Zeit nach neuen Formen von Schmerzmitteln. Mithilfe von Computersimulationen entwickelten die Forscher zwei neuartige Opioidsubstanzen, die beide auf dem gleichen Ausgangsmolekül mit Namen Fentanyl basieren. Die Wissenschaftler schafften es, die Wirkstoffe so zu gestalten, dass sie lediglich die Opioidrezeptoren dort aktivieren, wo der Schmerz seine Ursache hat – also am Ort der Verletzung oder Entzündung und nicht im Gehirn oder im Darm. 

„Unsere innovative Entwicklungsmethode liefert eine solide Grundlage für eine neue Generation von Schmerzmedikamenten“, sagt Christoph Stein. „Solche Medikamente können die riskanten Nebenwirkungen von bisherigen Opioiden verhindern und damit Komplikationen reduzieren.“ Zusätzlich, so der Mediziner, könnten diese Mittel einen „Beitrag zur Bewältigung der Opioid-Krise, wie sie vor allem in den USA zu beobachten ist, leisten“. In den Vereinigten Staaten sind hunderttausende Menschen abhängig von Opioiden, was viel damit zu tun hat, dass diese Medikamente jahrelang allzu leichtfertig von Ärzten verschrieben wurden. 

Die Berliner Wissenschaftler wollen die entworfenen Substanzen nun so weiterentwickeln, dass sie Patienten zugute kommen können. Außerdem wollen sie die komplexen Vorgänge, die sich in entzündetem Gewebe abspielen, noch weiter erforschen. Die Hoffnung ist, auf dieser Basis Opioide noch weiter zu verbessern und die Erkenntnisse auch noch für andere Medikamente – zum Beispiel zur Behandlung von Bluthochdruck – nutzen zu können.

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