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Auch diese Elbfähre auf der Höhe von Neu Darchau in Niedersachsen verkehrt wegen Niedrigwasser momentan nicht.
Niedrigwasser
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Hungersteine an der Elbe

Von Sandra Kirchner
22:41

Wenn die Elbe ihre „Hungersteine“ offenbart, dann weiß man, dass ein außergewöhnlich trockenes Jahr herrscht. Die großen Steine oder Felsen im Flussbett werden nur bei extrem niedrigen Wasserständen sichtbar. Gravuren in den Steinen verweisen auf die Mangeljahre. Und ein solches Mangeljahr herrscht gerade jetzt. Die Elbe führt derzeit so wenig Wasser, dass man mancherorts trockenen Fußes fast bis zur Flussmitte gelangen kann. Der Pegelstand bei Magdeburg ist auf 51 Zentimeter gesunken; der Schiffsverkehr ist vielerorts eingeschränkt. „Die Elbe nähert sich historischen Tiefstständen an“, sagt Jörg Rechenberg vom Umweltbundesamt in Dessau.

Der niedrigste Wasserstand seit Aufnahme regelmäßiger Pegelmessungen wurde 1934 verzeichnet: 48 Zentimeter bei Magdeburg. Schwankende Wasserstände sind für die Elbe nichts Ungewöhnliches. Sie gilt im Vergleich zu anderen deutschen Flüssen – trotz künstlicher Vertiefung der Flusssohle – noch als naturnah. Die Auen der Elbe sind eigentlich an den stetigen Wechsel von Überflutung und Trockenfallen angepasst. Aber es gibt Grenzen.

„Solche Extremwetter habe ich noch nicht erlebt“

Extreme Situationen wie Hoch- oder Niedrigwasser können sich negativ auf den Zustand des Gewässers auswirken und zu geringen Sauerstoffkonzentrationen führen, die Tiere und Pflanzen schädigen und sogar stark dezimieren können. Deswegen messen seit Mitte Juli UFZ-Forscher Wassertemperatur, pH-Wert und Sauerstoffgehalt, um die Wasserqualität zu prüfen.

„Solche Extremwetter habe ich noch nicht erlebt“, sagt Ernst Paul Dörfler. Der Chemiker und Umweltschützer hat 1986 mit seinem Buch „Zurück zur Natur?“ ein Kultbuch der ostdeutschen Umweltbewegung geschrieben und später die Grüne Partei in der DDR mitgegründet. Seit mehr als 30 Jahren lebt er in einem stillen Dorf nahe Dessau und widmet sich dem Schutz der Elbe. Die äußerst niedrigen Pegelstände sind für Dörfler nur der Spitze des Eisbergs: Denn auch der Grundwasserstand im Umland sei gefallen, die Brunnen in den Elbeniederungen seien ausgetrocknet.

Die Ursachen des dramatisch niedrigen Wasserstandes sieht Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in den seit Mai ausbleibenden Regenfällen im Einzugsgebiet der Elbe. „Noch im Frühjahr waren die Grundwasserspeicher gut gefüllt“, sagt er. Seither leeren sie sich kontinuierlich. Im Sommer speist sich der Abfluss in der Elbe überwiegend aus diesen Speichern – im Gegensatz zum Rhein, dessen Sommer-Abflüsse sich vor allem aus Schmelzwasser bilden.

Für Dörfler ist das nur ein Teil des Problems. „Das ist nicht nur eine Frage des Klimawandels, hier zeigen sich auch die Konsequenzen einer verfehlten Flusspolitik.“ Weil die flussnahen Landschaften für die Land- oder Forstwirtschaft nutzbar gemacht werden sollten, wurde die Region bis ins Extrem entwässert, klagt der Umweltaktivist. Auch das Bemühen, die Elbe schiffbar – also tiefer – zu machen, habe den Fluss verändert.

Vor allem an der Mittelelbe wird die Sohle des Flusses durch Geschiebedefizite und die Einengung durch Buhnen kontinuierlich vertieft, was sich nachteilig auf den ufernahen Grundwasserhaushalt sowie die Wasserverhältnisse der Auen auswirkt. „Die Sorge, dass sich die Ökosysteme an der Elbe mit sinkendem Wasser verändern, ist nicht ganz unbegründet“, sagt auch UBA-Experte Jörg Rechenberg. Dabei mahnen Umweltverbände wie BUND, Nabu und WWF schon lange eine Anhebung der Sohle an. „Seit den Achtzigerjahren wissen wir, wie wichtig es ist, der Elbe die notwendigen Ausweichflächen zu geben“, sagt Dörfler. Aber an den Grundübeln habe sich seither nicht geändert – auch weil die Veränderungen schleichend seien.

Die anhaltende Trockenheit verschärft das Problem jetzt zusätzlich. Für den Zustand der Elbe sind die prognostizierten Temperatur- und Niederschlagsänderungen infolge des Klimawandels deshalb keine gute Nachricht. „Im Jahresmittel ist zunächst, wie zum Beispiel an der Elbe, kein Unterschied beim Abfluss zu erkennen“, sagt der UBA-Experte Rechenberg. Betrachte man aber den Jahresverlauf differenziert, gebe es Tendenzen zu abnehmenden Abflüssen im Sommer. „Während bis 2050 nur minimale Veränderungen erwartet werden, verstärkt sich der Unterschied zwischen Sommer- und Winterhalbjahr bis zum Ende dieses Jahrhunderts.“

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