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Über 41 Grad zeigt ein Thermometer in Düsseldorf dieser Tage (Symbolbild).
Rekord-Sommer
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Umweltbundesamt fordert Hitze-Aktionspläne

Von Joachim Wille
17:19

Das Umweltbundesamt (UBA) warnt, dass es dieses Jahr bereits zu einem zweiten „Jahrhundertsommer“ nach 2003 kommen könne – und fordert mehr Anstrengungen in der Klimapolitik und zur Anpassung an den Klimawandel. Vor allem für die hitzegeplagten Bewohner in den Städten und für die Landwirtschaft müsse etwas getan werden.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte der FR: „Der Mai war der wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Es ist anhaltend trocken und heiß – das könnte darauf hindeuten, dass es nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert einen Jahrhundertsommer geben wird.“ Ungewöhnlich sei, dass Hitze und Trockenheit so lange andauerten, nicht so sehr die Höhe der gemessenen Temperaturen.

Die Folgen seien schon jetzt schwerwiegend. „So steigt die Waldbrandgefahr, Infrastrukturen wie Autobahnen oder Flughäfen werden beschädigt. Auf Flüssen wie Elbe und Rhein herrscht Niedrigwasser, und die Landwirtschaft muss Ernteeinbußen hinnehmen.“

Der Sommer 2018 zeige einmal mehr, „dass wir uns an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen“, sagte Krautzberger. In den Städten brauche es Grünflächen und Frischluftschneisen, die für Abkühlung sorgen. Wichtig seien zudem „Hitze-Aktionspläne“ und Warnsysteme. Für die Landwirtschaft empfahl die UBA-Chefin hitzeresistentere Sorten zu nutzen, Fruchtfolgen zu ändern und Monokulturen zu verringern. „In der Forstwirtschaft brauchen wir – nicht zuletzt mit Blick auf die Waldbrandgefahr – vor allem Mischwälder. Das ist auch gut für die Biodiversität“, sagte sie.

SPD setzt auf Klimagesetz

Krautzberger kritisierte weiter, dass Deutschland seine Klimaziele zu verfehlen droht. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung sehe zwar ambitionierte CO2-Minderungen vor. „Leider stellen wir fest, dass seine Umsetzung nur sehr schleppend vorankommt. Schon das Ziel für 2020, 40 Prozent weniger Treibhausgase freizusetzen als 1990, werden wir verfehlen“, sagte sie. Die notwendigen Maßnahmen in der Energiewirtschaft, im Verkehr oder dem Gebäudesektor seien bekannt, die wirtschaftlichen Folgen durchgerechnet und vertretbar. „Jetzt müssen Taten folgen.“

Der SPD-Klimaexperte Frank Schwabe forderte unterdessen „neuen Schwung durch ein Klimagesetz, das den Rahmen für alle anderen Gesetze bilden muss, um die Klimaschutzziele energisch anzugehen und endlich umzusetzen.“ Was getan werde müsse, sei längst bekannt, aber das Beharrungsvermögen sei noch zu stark, sagte er der FR. Im Groko-Koalitionsvertrag ist festgelegt, dass ein solches Klimagesetz des Bundes im nächsten Jahr verabschiedet werden soll, um das CO2-Reduktionsziel für 2030 – minus 55 Prozent gegenüber 1990 – punktgenau einzuhalten. Erreicht waren Ende 2017 erst rund minus 28 Prozent. Zu Trockenheit und Hitzewelle sagte Schwabe: „Es ist das eingetreten, vor dem eine Generation von Wissenschaftlern gewarnt hat.“

Der Kieler Klimaforscher Professor Mojib Latif hatte in der FR kritisiert, dass „Deutschland sich de facto vom Klimaschutz verabschiedet hat“. Im Koalitionsvertrag stehe nichts Konkretes zu dem Thema, und die Bundesregierung sei offenbar nicht gewillt, „zügig aus der schmutzigen Braunkohle auszusteigen“.

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, sagte dazu: „Latif trifft den Nagel auf den Kopf. Merkels Klimaschutzpolitik verdient ihren Namen nicht und beschränkt sich auf schöne Worte auf internationalen Konferenzen.“ In Deutschland sei Merkel nur Kohle- und Dieselkanzlerin. Sie blockiere die Energie- und die Verkehrswende. „Damit befeuert sie wider besseres Wissen den Klimawandel“, kritisierte er.

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